Caritas zur Landtagswahl

Das Soziale in den Fokus nehmen

Am 14. Oktober ist Landtagswahl. Caritas-Direktor Georg Falterbaum fordert die Parteien auf, im Wahlkampf die sozialen Themen wie Armut, Obdachlosigkeit und Integration zu betonen.

Über 9.000 Menschen in München sind wohnungslos.

München – Ham Bukenya will arbeiten. Der 29 Jahre alte Mann aus Uganda ist seit 2015 in Deutschland und hat in dieser Zeit schon viel geschafft. Er hat Deutsch gelernt, ein Praktikum in der Pflege gemacht und eine einjährige Ausbildung zum Pflegeassistent. Jetzt hat ihn die Caritas im Erzbistum München und Freising für einen Platz in der Ausbildung zum Pflegefachhelfer gewinnen können. Allerdings wartet er noch auf die Ausbildungserlaubnis vom Landratsamt Fürstenfeldbruck. Sein Asylverfahren läuft noch, deshalb ist die Situation für ihn so ungewiss.

Caritas-Direktor Georg Falterbaum machte am Beispiel von Ham Bukenya deutlich, wie wichtig es ist Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren.“ Er sei „irritiert“ von den Aussagen Horst Seehofers, der gesagt hat, „Die Migration ist die Mutter aller Probleme.“ Falterbaum widerspricht: „Migration kann die Lösung für viele Probleme sein, zum Beispiel beim Fachkräftemangel in Pflegeheimen oder im Handwerk.“ Wer sich integriere und Deutsch lerne, solle einen Aufenthaltsstatus erhalten und arbeiten dürfen.

Nicht ehrgeizig genug

Insgesamt will die Caritas für eine vielfältige und solidarische Gesellschaft eintreten. Deshalb sei es wichtig, dass die Bürger bei der Landtagswahl von den Politikern soziale Verantwortung einforderten, betont Falterbaum. Dazu gehöre vor allem der Kampf gegen Armut und Wohnungslosigkeit. „Wir brauchen schlicht mehr Wohnraum“, sagt Georg Falterbaum. Instrumente wie die Mietpreis seien oft wirkungslos. Er finde es zwar gut, dass eine staatliche Wohnungsbaugesellschaft in München bis 2025 10.000 neue Wohnungen bauen will. „Aber es muss noch mehr passieren, das ist mir nicht ehrgeizig genug.“ Vor allem wenn man bedenke, dass vor ein paar Jahren 33.000 Sozialwohnungen privatisiert worden seien. Seiner Auffassung nach bräuchte es jährlich fünfstellige Zahlen beim Bau öffentlicher, sozialer und gemeinnütziger Wohnungen.

Am 15.9. 2018 findet in München die Demo #ausspekuliert für bezahlbaren Wohnraum und gegen soziale Ausgrenzung statt. Start ist um 14 Uhr am Mariahilfplatz.

Wie wichtig das ist, zeigt ein Blick auf die Zahlen. Laut Schätzungen sollen in München 9000 Wohnungslose leben, darunter rund 1600 Minderjährige. „Die Wohnungsnot ist die soziale Frage unserer Zeit“, ist Falterbaum überzeugt. Denn sie treffe nicht nur Arme und Benachteiligte, sondern auch Menschen mit Jobs, wie Pfleger, Erzieher, Polizisten oder Trambahnfahrer. Und selbst Menschen, die sich Wohnungen leisten können, treffe die Wohnungsnot. „Denn ein München, das ganze Berufsgruppen vertreibt, möchte doch niemand.“

Soziale Aspekte berücksichtigen

Über die Wohnungsfrage hinaus liegen der Caritas noch viele andere Themen am Herzen. Beispielhaft nannte Falterbaum den politischen Streit um das bayerische Familien- und Pflegegeld. Er fordere Bundessozialminister Hubertus Heil auf, weder Familien- noch Pflegegeld auf Hartz-IV-Leistungen anrechnen zu lassen. Zurzeit wird das Familiengeld nur in zehn so genannten Optionskommunen ausgezahlt, in allen anderen wird es auf die Grundsicherung angerechnet. „Die Förderung nach Postleitzahl ist unerträglich und muss beendet werden“, mahnt der Vorstandschef des Caritasverbands für München und Oberbayern.

Eine konkrete Wahlempfehlung liegt der Caritas natürlich fern, aber Falterbaum appelliert an alle Bürger, die das Wahlrecht haben, dieses auch zu nutzen. „Sie sollten bei ihrer Stimmabgabe soziale Aspekte berücksichtigen.“ (Lukas Schöne)

Wohnraum in München ist knapp. Das gilt besonders auch für Menschen mit Behinderung. Die Sendung „Total Sozial“ im Münchner Kirchenradio stellt den Einrichtungsverbund Steinhöring vor, wo Behinderte betreut wohnen und arbeiten. Den Podcast zur Sendung finden Sie hier.