Hausmadonnen in München

Das schöne Bild der reinen Liebe

Wie die Gottesmutter Maria auf viele Münchner Hausfassaden kam, lesen Sie hier - mit Bildergalerie und Video.

Hausmadonna in der Münchner Altstadt

München – Die Mutter der Münchner Hausmadonnen blickt bis heute auf die unzähligen Fußgänger und Radlfahrer herab, die täglich an ihr vorbeikommen. Viele nehmen sie nicht wahr, weil die drei Meter hohe Bronzefigur eher unauffällig in die Westfassade der Residenz eingepasst ist. Dass dieses bedeutende Kunstwerk – der Bildhauer Hans Krumper hat es entworfen – dort seit 400 Jahren steht, war der Wille von Kurfürst Maximilian I.

Dessen Beurteilung durch die Historiker schwankt zwischen einem skrupellosen, machthungrigen Kriegstreiber und einem brillanten Verwaltungspolitiker und Diplomaten, der Bayern zu einem europäischen Faktor gemacht hat. Einig sind sie sich aber, dass er ein tiefreligiöser Mann und vor allem ein glühender Marienverehrer war. Schon als Elfjähriger schloss er sich der Marianischen Kongregation an. Bereits seine Vorfahren hatten die Marienverehrung im Land eifrig gefördert, doch erst unter dem Herzog und späteren Kurfürsten Maximilian I. wird sie „zum Staatskult, die Maria Patrona Boiariae geradezu zum Staatsprogramm“, wie der Historiker Benno Hubensteiner zusammenfasst.

Dem Seelenheil auf die Sprünge helfen

Maximilians Marienfrömmigkeit war also viel mehr als eine Privatsache. Der Landesvater war überzeugt, dass er damit dem Seelenheil des Einzelnen genauso auf die Sprünge helfen konnte wie dem Zusammenhalt des Landes, denn der Kult stiftete Gemeinschaft. Jeder Untertan wurde verpflichtet, einen Rosenkranz zu besitzen und beim Ave-Läuten hatte er, egal, wo er sich befand, niederzuknien und den Angelus zu beten: „Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft und sie empfing vom Heiligen Geist.“

Die Patrona Bavariae an der Westfassade der Münchner Residenz
Die Patrona Bavariae an der Westfassade der Münchner Residenz © SMB/Schlaug

Noch als alter Mann schrieb Maximilian einen Zettel, in dem er sich als „Höriger“ Marias bezeichnete und den er unter das Altöttinger Gnadenbild schob. Als Tinte diente ihm das eigene Blut. Das mag heute „fremdartig, exaltiert und hysterisch anmuten“, so der bedeutende Marienforscher Klaus Schreiner. Eine „aufgesetzte Pose“ sei die Marienfrömmigkeit des bayerischen Landesvaters keineswegs gewesen, der ein paar Jahre nach seiner Hausmadonna an der Residenz die Mariensäule am Marienplatz errichten ließ.

Verehrung ohne Zwang

Und seine Verehrung der Muttergottes stieß bei der Bevölkerung auf Widerhall. Ganz im Gegensatz zu vielen sonstigen Verordnungen Maximilians. Das Verbot von Kartenspiel und Tanzveranstaltungen oder gar die Todesstrafe bei Ehebruch, die bei diesem Vergehen übrigens nie zur Anwendung kam, liefen ins Leere. Die Marienverehrung nahmen die bayerischen Frauen und Männer dagegen mit ganzer Seele und auch ohne Zwang auf. Die Hausbesitzer ließen fromm und stolz Nischen in die Fassaden einbauen, um ebenfalls eine Madonna hineinzustellen, Marien- und Rosenkranzbruderschaften blühten auf und die Muttergottesverehrung wurde ganz selbstverständlich als „Staatskult“ akzeptiert.

Bis zum Ende der Monarchie 1918 erwies die Residenzwache jeden Tag der Muttergottes eine militärische Ehrenbezeugung. Selbstverständlich war ein Hochfest wie das der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria am 8. Dezember ein gesetzlich geschützter Feiertag und blieb es bis 1969.

Wichtiger "Hausschmuck"

Und die Hausmadonnen zieren bis heute viele Fassaden. Wer in der Münchner Innenstadt den Blick über die Schaufenster hinaushebt, sieht sie immer wieder, ebenso in den verschiedenen Stadtteilen. Gelegentlich sind auch neu gefasste Figuren zu sehen. Die Eigentümer würden sie wohl nicht restaurieren lassen, wenn ihnen dieser Hausschmuck nicht wichtig wäre. Maria, die seit dem Konzil von Ephesus im Jahr 431 von der Kirche als „Gottesgebärerin“ verehrt wird, ist in München also nicht nur als Krippenfigur zu Weihnachten im Stadtbild ständig gegenwärtig und heimisch geblieben.

Vielleicht hat Maximilian mit der von ihm geförderten Marienverehrung einfach ein tiefes menschliches Bedürfnis und eine Sehnsucht getroffen: In einer oft genug von Egoismus und Not geprägten Welt ist Maria „das schöne Bild der reinen Liebe“. Das hat übrigens nicht Kurfürst Maximilian I. gesagt, nicht einmal ein Bayer und auch kein Katholik, sondern der protestantische Philosoph Georg Wilhelm Friedrich Hegel. Die Weihnachtszeit ist eine gute Gelegenheit, an diese Frau zu denken, durch die Gott Mensch werden wollte.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

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