Exerzitien

Das Leben auf Gott ausrichten

Johanna Schulenburg, Schwester der Congregatio Jesu, über Exerzitien als geistliche Übung, die dabei helfen sollen, sein Leben auf Gott hin auszurichten.

Äußeres Schweigen und innere Ruhe sind wichtig, um sich Gott anzunähern.

Exerzitien sind ein geistlicher Übungsweg, der Menschen unterstützt auf der Suche nach Gott, nach sich selber, nach Erfüllung ihres Lebens und nach einem menschenfreundlichen Leben. Sie sollen helfen, sein Leben auf Gott hin auszurichten und auf ihn hinzuordnen. Dabei spielt der Raum des äußeren Schweigens und der inneren Stille eine wesentliche Rolle, um innerlich freier zu werden und um hören und sich Gott annähern zu können. Exerzitien lehren zu beten, das heißt mit Gott in Dialog zu kommen und zu sein. Und sie helfen, Gottes Willen mehr und mehr im Leben zu suchen und zu entdecken. Die Weise, wie dieser Dialog zwischen Gott und dem Übenden unterstützt wird, unterscheidet sich je nach Exerzitienform. Und welche mehr hilft, hängt auch von der je eigenen gegenwärtigen Lebensphase ab. Mal kann mehr das eine, mal mehr das andere hilfreich sein.

Die Geheimnisse des Lebens Jesu Christi

In den ignatianischen Exerzitien nach Ignatius von Loyola, die idealerweise etwa acht bis neun volle Tage dauern, betet der Übende mehrere Stunden am Tag mit Hilfe von Texten der Bibel, die der Person in der Regel im täglichen Begleitgespräch von dem Begleiter gegeben werden, je nachdem, welche gerade zur jeweiligen Situation und inneren Dynamik passt. Der Betende kommt dann mit Hilfe dieses Bibeltextes mit Gott über sein Leben und seine Beziehung zu Gott ins Gespräch, wobei das Gebet mit der Zeit auch sehr einfach und schlicht werden kann. In der Ursprungsform, den sogenannten Großen Exerzitien, die etwas 30 Tage dauern, betrachtet der Betende die Geheimnisse des Lebens Jesu Christi von seiner Geburt über Leiden und Sterben bis zu seiner Auferstehung. Er sucht so, Jesus Christus mehr kennen und lieben zu lernen und zu erspüren, wie er ihm konkret nachfolgen kann.
Neben diesen klassischen ignatianischen Exerzitien haben sich weitere Exerzitienformen etabliert, die alle das Ziel gemeinsam haben, das Leben von Gott her zu ordnen: Wanderexerzitien, Straßenexerzitien, Filmexerzitien. Mit je unterschiedlichen Medien wird der Dialog zwischen Beter und Gott durch Impulse gefördert. Für junge Erwachsene wurden ebenfalls eigene Exerzitienangebote entwickelt, in denen auch verschiedene Weisen des Betens vorgestellt werden und eingeübt werden können.

In der Gegenwart Gottes verweilen

Auch kontemplative acht bis zehntägige Exerzitien führen in eine Kommunikation mit Gott, bei der aber nicht gesprochen wird, sondern die in einem stillen Verweilen in seiner Gegenwart besteht. So wie gute Freunde tief miteinander verbunden sein können, ohne dass sie viel miteinander reden. Im christlichen Kontext ist diese Weise des Betens aus dem Herzensgebet der ersten Wüstenväter erwachsen. Mit Hilfe eines Psalmverses oder Gebetswortes, das ständig innerlich wiederholt wird, versucht der Betende in der Gegenwart Gottes zu verweilen. Dies geschieht in der Weise des Jesusgebetes, wenn nicht nur ein inneres Wort wiederholt wird, sondern mit dem Namen Jesus Christus gebetet wird. Auch hier gibt es verschiedene methodische Zugänge. Die Wegschritte des Jesuitenpaters Franz Jalics SJ bieten als Sammlungshilfen neben dem Namen den Atem und die Wahrnehmung der Hände an. Für welche Form und Dauer von Exerzitien man sich auch entscheidet, in jeder kann sich Gott der betenden Person mitteilen, sofern sie sich dafür öffnet. (Johanna Schulenburg, Schwester der Congregatio Jesu)

Monat der Spiritualität

"Die Ruhe des Herzens" ist auch das Thema des "Monats der Spiritualität 2018" des Sankt Michaelsbunds. Hier können Sie sich dazu informieren und inspirieren: zu Autoren spiritueller Bücher, zu religiösen Büchern, zu Veranstaltungen und zum Thema Spiritualität.

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Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Monat der Spiritualität und zum Thema Monat der Spiritualität