Studientag in München

Cityseelsorger entdecken König Ludwig I.

Die Leiter katholischer Großstadtpfarreien und -dekanate befassten sich in München mit Chancen und Herausforderungen von Seelsorge und kirchlichem Leben in deutschen Großstädten. Für die Teilnehmer am Studientag gab es auch eine Stadtführung auf den Spuren König Ludwigs I.

König Ludwig I. ließ die Ludwigstraße als Prachtstraße anlegen, mit der Universität und der dazugehörigen Kirche St. Ludwig (im Hintergrund) – Dekan David Theil (rechts) erklärte den Teilnehmern sachkundig alle Details © Krauß

München – Nicht alle Gäste aus Süddeutschland hatten angemessenes Schuhwerk dabei, als Dekan David Theil bei Matsch und Schneeregen zu einem Spaziergang auf den Spuren von König Ludwig I. durch die Münchner Maxvorstadt einlud. Anlass war der Studientag für Leiter von Pfarreien, Pfarrverbänden, Stadtkirchen und Dekanaten mit großstädtischer Prägung zum Thema „Seelsorge in der Großstadt“. Im Mittelpunkt des winterlichen Rundgangs standen das Herrscherverständnis Ludwigs I. und seine Ansichten zur Rolle von Kunst, Wissenschaft und Religion in der Stadt.

Das Todesjahr des Regenten jährt sich heuer zum 150. Mal, sein Grab und das seiner Gemahlin Therese befinden sich in St. Bonifaz – und dort wurde der Studientag mit einem Gottesdienst eröffnet. Im Anschluss erläuterte Abt Johannes Eckert, mit welchen Aufgaben Ludwig I. die Benediktiner-Abtei ursprünglich betraut habe. So sollten die Ordensmänner ein wissenschaftliches Zentrum pflegen, sich der Pfarrseelsorge widmen, ein Internat betreiben und in die Mission gehen – „heute leben wir einen Bruchteil davon“. Die heute neun Mönche des Konvents müssten mitten in der Stadt Gottsucher sein und zugleich gut bei den Menschen leben können. An erster Stelle stehe die Seelsorge, hinzu komme der Speisesaal und die Krankenstation der Obdachlosen sowie traditionell die Stiftsbibliothek mit ihren 250.000 Bänden. Aus dieser hätten sich auch Hans Scholl und Alexander Schmorell als Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ Bücher ausgeliehen, um die Frage des Tyrannenmords zu klären.

Schneetreiben herrschte am Königsplatz
Schneetreiben herrschte am Königsplatz © Krauß

Wie sich die Verknüpfung von Seelsorge, Wissenschaft und Kunst in der Architektur unter Ludwig I. spiegelt, erläuterte Dekan Theil dann auf dem Königsplatz, an den die Gebäude von St. Bonifaz fast nahtlos an die Antikensammlung anschließen. Zugleich spiegele der Platz auch die Liebe des Königs zu Griechenland. Der einsetzende Schneeregen sorgte dafür, dass die Gruppe relativ schnell das NS-Dokumentationszentrum und die Musikhochschule im ehemaligen „Führerbau“ streifte. Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg erzählte in diesem Zusammenhang, dass im vergangenen Jahr wegen verschiedener Baustellen die Fronleichnamsprozession vom Marienplatz zum Königsplatz geführt habe. Die Kirche sei somit an diesem Ort präsent gewesen, der in der NS-Zeit ein Aufmarschplatz war.

Auf dem Weg durch das Museumsviertel mit den unter König Ludwig I. errichteten Pinakotheken wunderte sich ein Teilnehmer über die großen Freiflächen im Umfeld der Museen – das sei doch anders als im eng bebauten Nürnberg. Und Dekan Alban Meißner aus Ludwigshafen erzählte, dass seine Stadt den Namen des Königs trage – der neue bayerische Rheinhafen war 1843 gegründet worden. Zudem habe der König für die dortige Ludwigskirche aus seiner Privatschatulle Marmorsäulen gestiftet, aber leider sei diese neoromanische Kirche im Zweiten Weltkrieg vollständig zerstört worden – ein Säulenstumpf diene jetzt als Taufstein.

Wie die von Ludwig I. gegründete Kirche St. Bonifaz nach dem Zweiten Weltkrieg umgestaltet wurde, schilderte Abt Johannes Eckert den Teilnehmern des Studientages vor Ort in der Benediktinerabteikirche
Wie die von Ludwig I. gegründete Kirche St. Bonifaz nach dem Zweiten Weltkrieg umgestaltet wurde, schilderte Abt Johannes Eckert den Teilnehmern des Studientages vor Ort in der Benediktinerabteikirche © Krauß

Über die Ludwigstraße erreichte die Gruppe das Hauptgebäude der Ludwig-Maximilians-Universität. König Ludwig I. hatte sie von Landshut nach München verlegt und in dem 1840 eingeweihten Gebäude residiert auch das Georgianum, wo Theologiestudenten wohnen können, die nicht der Erzdiözese angehören – bis heute eine Stiftung der Wittelsbacher, erläuterte Weihbischof Graf zu Stolberg. Auf dem Geschwister-Scholl-Platz resümierte Dekan Theil die Politik von Max I. Joseph, der als König „von Napoleons Gnaden“ 1803 viele Klöster aufgehoben hatte. Sein Sohn Ludwig I. aber sei von dem Regensburger Bischof Johann Michael Sailer erzogen worden, und so habe er „die Wunde geheilt, die der Vater gerissen hat“. Das bestätigten Teilnehmer aus Köln, denn Ludwig I. habe auch dort viel Geld für die Fertigstellung des Doms und seiner Fenster gestiftet. (Annette Krauß)