Karindal Reinhard Marx:

Christliche Prägung statt „Leitkultur“

„Solidarität kann man nicht per Gesetz erlassen, das muss man leben“ - so das Fazit des Kardinals beim Geburtstag der Münchner Feuerwehr. Wie die roten Retter in ihrer Arbeit ein tägliches Zeichen für Solidarität setzen:

Kardinal Marx ist gegen eine staatlich verordnete "Leitkultur" © Kiderle

München - Einer staatlich verordneten „Leitkultur“ hat Kardinal Reinhard Marx mit deutlichen Worten eine Absage erteilt. Stattdessen betonte er, dass die christliche Prägung der Gesellschaft grundlegend für das Überleben der Zivilisation sei. „Die Solidarität des Gebets und die Solidarität der Tat sind die Leitprinzipien unserer Kultur, das kann man nicht per Gesetz erlassen, das muss man leben“, sagte der Erzbischof von München und Freising am Samstag, 15. Oktober, bei einem Festgottesdienst anlässlich des 150jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr München im Liebfrauendom.

Beispielhaft hierfür sei das Wirken der Freiwilligen Feuerwehren im ganzen Land: „Wir lassen niemanden am Straßenrand liegen. Unter Einsatz des eigenen Lebens engagieren Sie sich dafür, dass die anderen gerettet werden. Das gehört zur christlichen Prägung einer Gesellschaft“, sagte der Kardinal an Hunderte von Feuerwehrleuten gerichtet, die an dem Gottesdienst teilnahmen. Gott sei der Vater, Christus der Bruder aller Menschen: „Wir als Christen dürfen nie aufhören, das zu bezeugen. Du bist nicht zuerst gläubig oder ungläubig, Christ oder Muslim – nein, du bist zuerst Mensch, Bild des Lebendigen Gottes.“

Die Ausrichtung an den Schwachen und in Not geratenen sei ebenso ein Wesensmerkmal der christlichen Prägung wie das Zusammenwirken von Staat und freien Bürgern. „Der Staat soll gesellschaftlichen Kräften Raum geben und diese unterstützen, er braucht die freiwillige Hilfe der Bürger.“ Das ehrenamtliche Engagement und das „faszinierende Miteinander von Haupt- und Ehrenamtlichen sind ein großartiges Kennzeichen der christlichen Tradition“.

München sei anders als vor 150 Jahren heute eine multireligiöse Stadt. Es sei gut, dass die Feuerwehr, die ja für alle Bürger der Stadt zuständig sei, dennoch in den Dom komme. „Es geht darum, dem ganzen Gemeinwesen einen Raum zu öffnen für das Gebet.“ Marx erinnerte daran, dass die Stadtgesellschaft auch der Toten des Amoklaufs im Olympia-Einkaufszentrum im Liebfrauendom gedacht hatte. „Das zeigt, wie wichtig der Dienst der christlichen Kirche für die Gesellschaft ist.“ Der Gedanke der Solidarität komme im Gebet zum Ausdruck. „Wir stützen einander im Gebet, sind aufmerksam für die Not des anderen. Indem wir auf Gott schauen, bitten wir darum, dass Menschen gerettet werden.“

Der Erzbischof sprach der Freiwilligen Feuerwehr seinen herzlichen Dank aus. „Sagen wir Dank all jenen, die das Qualitätszeichen einer christlich geprägten Gesellschaft in die Zukunft tragen.“ (kel/sts)

Die Autorin
Stefanie Schmid
Radio-Redaktion
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