Erster Jahresempfang während Pandemie

Caritas Rosenheim: In Verbindung bleiben

Mit ihrem ersten Jahresempfang seit drei Jahren hat die Rosenheimer Caritas die Gelegenheit ergriffen, die Kontakte zu Vertretern aus Politik, Gesellschaft und Kirche wiederaufleben zu lassen. Bei einer Andacht mit anschließendem Austausch versicherten sich die Interessenvertreter der gegenseitigen Unterstützung.

Der Jahresempfang der Rosenheimer Caritas stieß auf große Resonanz. © SMB/Witte

Rosenheim – „In Verbindung bleiben“: unter dieses Motto hatte Caritas-Kreisgeschäftsführer Erwin Lehmann den Jahresempfang gestellt. Dringend notwendig sei dieser Anlass gewesen, befand Lehmann den Empfang. Schließlich habe die Rosenheimer Caritas während der Pandemie viele Termine wieder absagen müssen. Er erinnerte in der Rosenheimer Christkönigkirche auch daran, dass erst unmittelbar vor dem Ausbruch von Corona der Oberbürgermeister, Andreas März, und Landrat Otto Lederer ins Amt gewählt worden waren. Ein wenig abgewandelt vom Tagesmotto sprach März von seiner Maxime der vergangenen beiden Jahre „Reden mit allen“. Die Gesellschaft habe sich entzweit. Deshalb kommt es für den CSU-Politiker nicht in Frage, auf das Miteinander reden zu verzichten. Andernfalls würde man nie verstehen, was genau die Position Andersdenkender sei – und das sei eine Abwertung des Gegenübers.

Landkreisdekan Daniel Reichel empfand das Zusammentreffen ebenfalls als Gewinn. Schließlich sei die Gelegenheiten miteinander ins Gespräch zu kommen, nicht nur zu Zeiten der Pandemie, eher selten gewesen. Dabei könnten Politik und Verwaltung von der Caritas lernen, meinte Landrat Otto Lederer: „Die Caritas schafft es sehr gut, Hauptamt und Ehrenamt zu verbinden und Menschen zu begeistern!“

Gemeinsam auf dem Weg

Aber auch die tagesaktuellen Herausforderungen brachten die Vertreter von Politik und Kirche zu dem Schluss, gegenseitig voneinander profitieren zu können. Die Versorgung der Geflüchteten aus der Ukraine könne von einem „Local player“ allein nicht bewältigt werden, so Caritas-Chef Erwin Lehmann. Die Caritas sei auch deshalb froh um Zuschüsse der Politik, weil damit Angebote wie Integrationsberatung, Migrationsberatung oder auch Ehrenamtskoordination finanziert werden könnten. Und man könne gemeinsam sicherstellen, dass Ressourcen nicht verschwendet würden.

Eine vernetzte Kirche spielt wieder eine Rolle

Für den Rosenheimer Landkreisdekan Daniel Reichel ist es dabei wichtig, nicht nur gemeinsam Probleme zu lösen. Ihm geht es um Vernetzung mit den Menschen, die aus seiner Sicht in der Vergangenheit noch nicht ausgeprägt genug gewesen ist. „Wir konnten uns sehr gut im eigenen Dunstkreis bewegen, ohne uns ausstrecken zu müssen“. Die Veränderung der Gesellschaft und der Kirche führe aber dazu, dass Kirche dieses vernetzte Miteinander brauche, über den eigenen Tellerrand und die eigene Konfession hinaus. Die große Resonanz auf die Einladung zum Jahresempfang ist für den Dekan ein Riesenerfolg. Die Menschen würden Verbindungen wieder leben, ausbauen und auch ein Stück weit erst wieder lernen. Die positiven Äußerungen gegenüber der Kirche durch Landrat und Oberbürgermeister stimmen Reichel positiv, gerade in Zeiten zunehmender Distanzierung von der Kirche durch viele Menschen. Vor einigen Wochen hätte er noch das Gefühl gehabt, Kirche spiele keine Rolle mehr. Das sei jetzt nicht mehr der Fall.

Der Autor
Willi Witte
Radio-Redaktion
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