Hirschberg-Jahreskurse des Michaelsbunds

Büchereien im digitalen Zeitalter

Sie sind das Event für Büchereien im katholischen Medienhaus Sankt Michaelsbund und einzigartig in der bundesweiten Büchereilandschaft: Die Jahreskurse für Büchereimitarbeiterinnen und -mitarbeiter, die Ende Juli auf Schloss Hirschberg in der Diözese Eichstätt stattfinden.

Jahreskurse im Auditorium auf Schloss Hirschberg (Archivbild) © SMB/Schlaug

Claudia Pecher von der Landesfachstelle für Büchereien und Bildung im Michaelsbund bereitet das beliebte Treffen mit ihrem Team vor und spricht im Interview über die Höhepunkte der diesjährigen Jahreskurse.

mk-online: Frau Pecher, was bedeutet es für den Michaelsbund und die Teilnehmer, dass die Hirschberg-Kurse 2022 wieder in Präsenz stattfinden können?

Claudia M. Pecher: Sowohl für die Teilnehmer als auch für den Michaelsbund ist es erst einmal eine große Freude, sich nach zwei Jahren Pandemie wieder live mit größeren Gruppen an Büchereimitarbeitern aus unterschiedlichen Diözesen treffen zu können. Für einige – auch von uns – sind es die ersten Hirschberg-Kurse, die sie erleben, umso neugieriger blicken wir diesem großen Event des Hauses entgegen.

Warum haben die Hirschberg-Kurse einen besonderen Stellenwert für den Michaelsbund?

Pecher: Mit den Hirschberg-Kursen wollen wir unseren Büchereiteams unsere große Dankbarkeit für ihr unermüdliches Engagement in den Pfarreien und Kommunen vor Ort zum Ausdruck bringen. Neben einem abwechslungsreichen Sommerprogramm stehen die Kurse für Begegnung und Austausch untereinander sowie mit den Kollegen des Michaelsbundes.

Welche Themen stehen dieses Jahr im Mittelpunkt?

Pecher: Neben einem digitalen Vorprogramm, das möglichst vielen Büchereiteams die Teilnahme an den Kursen ermöglichen soll, gibt es wie gewohnt drei Präsenztage pro Kurs. An diesen stehen Buchvorstellungen, Workshops zur Büchereipraxis, inhaltliche Impulsvorträge sowie Autorenbegegnungen und literarisch-musikalische Abende auf dem Programm. Dabei treten Fragen zum Lesen im digitalen Zeitalter an die Seite traditioneller kirchlicher Büchereiarbeit.

Ein Schwerpunkt wird auch „Social Reading“ sein. Was ist darunter zu verstehen und warum ist es zunehmend von Bedeutung?

Pecher: Gemeinhin wird Lesen gerne als ein individueller Akt verstanden – dem ist aber nur bedingt so. Denn wir tauschen uns gerade auch in Büchereien, die sich als Treffpunkte vor Ort verstehen, gern über das Gelesene aus. Dies geschieht vermehrt in den sogenannten sozialen Medien, sei es auf Instagram, in WhatsApp-Gruppen, auf Youtube oder auf Internetplattformen wie Wattpad. Gerade in Zeiten der Pandemie haben wir erfahren, welche Möglichkeiten soziale Medien bieten und wie leicht man miteinander weltweit in Austausch kommen kann. Generell erleben wir insbesondere bei der jüngeren Generation ein verändertes Leseverhalten, das zunehmend online passiert. Autoren werden aus digitalen Medien ins analoge Format geholt, weil sie eine große Bekanntheit im Netz haben, etwa John Green oder Rupi Kaur. Nele Neuhaus hat im Self-Publishing-Verlag begonnen, ehe sie vom Berliner Ullstein Verlag entdeckt wurde und nun sicher in keiner Bücherei mit ihren Büchern fehlt. So verändert sich das Konsumentenverhalten, über das man Bescheid wissen sollte, wenn man sich als Bücherei intensiv mit dem Buchmarkt beschäftigt. 

Stellt diese Form von Digitalisierung eine Gefahr für das klassische Buch und die klassische Bücherei dar? 

Pecher: Das eine Medium löst das andere nicht unbedingt ab, sondern tritt ergänzend hinzu. Viele Pfarrer und Bürgermeister haben erkannt, dass sie etwa mit digitalen Medien ihr Angebot entsprechend attraktiver gestalten können. Ähnlich ist dies mit dem Austausch über digitale Medien. Ich empfehle ausdrücklich das Buch „Lesen im digitalen Zeitalter“, das die Entwicklungen des Marktes sehr genau beschreibt und Prognosen für die Zukunft trifft. Wer sich genauer informieren möchte, wird auch in unserem Michel-Podcast fündig. In der aktuellen Folge ist Professor Gerhard Lauer zu hören, der zu den führenden Experten des Gebiets gehört und mit dem wir das Hirschberg-Vorprogramm gemeinsam entwickelt haben. 

Welche Rolle spielt darüber hinaus die Social-Media-Welt aktuell in den Büchereien und für die Mitarbeitenden dort? 

Pecher: Viele unsere Büchereien sind in der Social-Media-Welt sehr aktiv, sei es auf Facebook oder Instagram, Tik-Tok oder zum Beispiel mit digitalen Workshops für Schulen. Sie nutzen es für die Bewerbung ihrer Medienbestände und Veranstaltungen sowie zur Kommunikation mit Nutzergruppen oder führen selbst digitale Werkstattgespräche mit Autoren durch. Und sie nutzen die Welt der sozialen Medien, um sich selbst inspirieren zu lassen oder sich zu informieren.

Auf welche Autoren können sich die Teilnehmenden freuen? 

Pecher: Neben Bestsellerautor Titus Müller treten der Jesuitenpater Andreas Batlogg und Geschichtsprofessor Michael Wolffsohn in Erscheinung.

Buchtipp

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Die Digitalisierung verändert vieles, auch das Lesen von Büchern. Nicht wenige fürchten, dass mit der Dominanz von Computer und Internet die lesende Erschließung der Welt an Bedeutung verlieren und die Jugend eine der wichtigsten Kulturtechniken verlernen werde. Tatsächlich wird aber nicht weniger gelesen, und die Zahl der Neuerscheinungen wächst von Jahr zu Jahr. Dennoch ändert sich einiges.

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Podcast-Tipp

Der Michel – Der Podcast für Kinder- und Jugendliteratur

Jeden Monat präsentieren wir Ihnen den Michel – den jüngsten Superhelden des Sankt Michaelsbund. Claudia Maria Pecher, Leiterin der Landesfachstelle für Büchereien und Bildung im St. Michaelsbund, sowie Präsidentin der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur spricht mit Autoren, Illustratoren und Freunden des Kinder- und Jugendbuches über Themen, Trends und viele lesenswerte Bücher.

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Der Autor
Klaus Schlaug
Online-Redaktion
k.schlaug@st-michaelsbund.de