Woche der Brüderlichkeit

Buber-Rosenzweig-Medaille an Regisseur Stückl verliehen

Die Auszeichnung wird für Verdienste um eine Verständigung zwischen Christen und Juden vergeben. Kardinal Reinhard Marx hielt die Laudatio für Preisträger Christian Stückl.

Christian Stückl stellt Jesus bei seinen Inszenierungen der Oberammergauer Passionsspiele ganz bewusst als Juden dar.

Stuttgart/München – Regisseur Christian Stückl (59) hat die Buber-Rosenzweig-Medaille erhalten. Der oberbayerische Theatermann wurde am Sonntag zum Auftakt der "Woche der Brüderlichkeit" in Stuttgart ausgezeichnet. Coronabedingt fand die Veranstaltung ohne Publikum statt und wurde im Fernsehen übertragen.

Der Münchner Kardinal Reinhard Marx würdigte in seiner Laudatio die Bedeutung der von Stückl inszenierten Oberammergauer Passionsspiele für den Zusammenhalt von Juden und Christen. Es habe lange gedauert bis zum Paradigmenwechsel im Verhältnis der Kirche und der Christen insgesamt zum Judentum und anderen Religionen, wie er im Zweiten Vatikanischen Konzil (1962-1965) erfolgt sei. "Für mich als Erzbischof von München ist Oberammergau ein Testfall und ein Laboratorium für diese Rezeption des neuen Denkens, der neuen Geschwisterlichkeit", sagte Marx. Er verwies dabei auf die Enzyklika "Fratelli tutti" von Papst Franziskus.

Oberbayerischer Dickschädel

Der Kardinal erinnerte an die lange Geschichte antijüdischer Erzählungen und Bilder in Passionsspielen, aber auch an Kathedralen. "Das hat verheerende Folgen bis heute in den Köpfen und Herzen." Daran angeknüpft hätten auch die Nationalsozialisten mit ihrer Ideologie. Stückl habe die Passionsspiele nicht nur von allen Antijudaismen befreit, sondern auch die Figur Jesu als gläubigen Juden dargestellt. "Schaut auf den Juden Jesu aus Galiläa aus Nazareth, das ist unser Heiland, das ist unser Erlöser: Der Jude Jesus. Und wenn ihr ihn verstehen wollt, dann müsst ihr ihn als Juden sehen."

Dies zu zeigen, könne "auch nur ein oberbayerischer Dickschädel, wie er natürlich auch einer ist, und ein wirklicher Christ, ein Mensch, ein neugieriger Mensch, ein leidenschaftlicher Theatermann", betonte Marx. Stückl habe immer wieder mit Besuchen des Ensembles in Israel und Gesprächen mit Rabbinern versucht, den Dialog in Gang zu bringen. Zugleich wisse er, dass er mit der Inszenierung etwas Geistliches tue, so Marx. Er sei geprägt von einer "Leidenschaft für die Geschwisterlichkeit aller Menschen".