Dekan Georg Rieger im Interview

"Brot backen ist schön, Brot verteilen schöner"

Am 22. Februar wird Pfarrer Georg Rieger als Dekan des Dekanats Laim eingeführt. In einem Interview stellen wir Ihnen den Geistlichen, der Brot backen und verteilen kann, ausführlich vor.

Pfarrer Georg Rieger (Bild: Sankt Michaelsbund/Schmid)

mkn: Am 22. Februar werden Sie offizielll in das Amt des Dekans eingeführt. Sie hatten schon bislang mit Münchnes größtem Pfarrverband, Laim, mit vier Pfarreien vermutlich wenig Langeweile. Das neue Amt als Dekan bedeutet sicher noch mehr Arbeit, aber auch Freude.

Rieger: Es bedeutet Freude und ist auch eine Bestätigung dafür, dass ich das was hier im Pfarrverband läuft, nicht ganz falsch mache, wenn die versammelten Leute hier im Dekanat, die Seelsorger und Seelsorgerinnen, die zum Dekanantskapitel gehören, mir ihre Stimme gegeben haben.

mkn: Wie groß ist Ihr neuer "Wirkungskreis"?

Rieger: Zum Pfarrverband Laim gehören vier Pfarreien und zum Dekanat fünf Pfarrverbände, also fünf Pfarrer und jeweils ein Seelsorgsteam dazu. Das Dekanat Laim geht etwa von der Stadtteilgrenze Pasing bis zum Westend und nördlich von den S- Bahn Gleisen bis nach Hadern im Süden.

mkn: Da braucht man Organisationstalent...

Rieger: Organisieren macht mir Spaß und ich muss es ja nicht allein tun, es gibt hier die Pfarrer und Seelsorgsteams mit langer Erfahrung, die mir zuarbeiten und da bin ich sehr froh. Und es gibt natürlich auch einen Stellvertreter, Vizedekan Ewald Häusler aus dem Salesianer-Orden, der mir zur Seite steht und dem ich dann auch  Aufgaben delegieren kann. Das ist das allerwichtigste. "Nein" ist das wichtigste Wort in der Seelsorge.

mkn: Sie sind jetzt seit etwa dreieinhalb Jahren in den vier Laimer Pfarreien, die seit gut zwei Jahren Jahren Pfarrverband sind. Es ist immer eine große Herausforderung mehrere Pfarreien zu einem Pfarrverband zusammenzuführen. Eine, die Ihnen offensichtlich gut glückt...

Rieger: Es glückt immer wieder, manchmal haut´s aber auch nicht hin. Aber das Experiment Trial und Error gilt auch in der Kirche. Und ich glaube wir, in der Kirche, müssen wieder lernen auch mal Fehler machen zu dürfen. Wenn wir von vornherein immer meinen, es müsste gut laufen und darf gar nicht schief gehen, dann nehmen wir uns viele Chancen weg. Man darf auch mal was ausprobieren und es darf auch mal schief gehen.

mkn: Sie haben einen sehr interessanten Lebenslauf. Vielleicht möchten Sie den mal kurz wiedergeben.

Rieger: Ich bin in München geboren, im Landkreis Ebersberg in Anzing aufgewachsen, habe die normale Schulausbildung vor Ort gemacht und  dann eine Bäckerausbildung in München-Haidhausen. Anschließend habe ich das Abitur in Waldram nachgeholt (1982-1986) und bin 1986 ins Priesterseminar gegangen und habe an der LMU das Studium aufgenommen. Ich war im Freijahr 88/89 in Ecuador, bin dann  ins Priesterseminar zurückgekehrt, und habe dann in Rücksprache mit Regens Rainer Böck mich entscheiden das Seminar zu verlassen und beim Projekt Omnibus mitzuarbeiten und habe dort auch gelebt. Nach Abschluss des Studiums 1992 bin ich ins Pastoraljahr in einen kleinen Pfarrverband  im Landkreis Mühldorf. 1993 habe ich aus der Hand von Kardinal Friedrich Wetter die Priesterweihe empfangen, dann war ich in Moosburg, Sankt Kastulus, meine  erste Kaplansstelle; die zweite Kaplanssstelle war in Milbertshofen, St. Georg, und dann anschließend war ich drei Jahre in Südamerika.

mkn: Wann kam der Wunsch Priester zu werden?

Rieger: Der Wunsch kam während der Zeit der Ausbildung. Es war nicht von Anfang an angedacht. Ich sag immer: Brot backen ist schön und Brot verteilen ist schöner. Ich bin sehr froh, dass ich das eine gelernt habe und das andere heute machen darf.

mkn: Sie haben viele Jahre in Südamerika verbracht. Was hat Sie an dieser Zeit am meisten beeindruckt?

Rieger: Die Unkompliziertheit, das vieles "easy going" ist, vieles nicht so ernst genommen wird, wie hier. Obwohl es dort viele echte Probleme gibt, während bei uns viel zu Problemen gemacht wird. Die Kirche dort hat den Ruf sehr lebendig zu sein, aber das ist sie nicht immer. Es ist nicht so, dass alle auf der Straße beten und es haben auch nicht alle die Bibel auf dem Tisch liegen, aber der Glaube gehört selbstverständlicher als bei uns zum täglichen Leben.

Ich habe aus der Zeit folgendes Motto: "Nimm dich nicht so wichtig und nimm auch manches Problem nicht so wichtig, sonst frisst es dich auf. Einiges heilt die Zeit und man muss und soll es aussitzen." Es muss nicht alles gleich am ersten Tag gelöst sein und schon gar nicht mit Brachialgewalt.

mkn:  Sie haben, wir haben schon vorher drüber gesprochen, einen sehr arbeitsintensiven Alltag - bleibt da noch Zeit für Hobbies?

Rieger: Ja, ich habe viele Hobbies. Ich halte streng den freien Tag ein, da gibt es keine Ausnahmen, das haben die Leute gelernt. Ich reise gern, ich geh gern ins Kino, querbeet vom Blockbuster bis zum sehr nachdenklich stimmenden Film, wie  kürzlich „Honig im Kopf". Ich lese, strecke alle Viere  von mir, schlafe gern lange, wenn es möglich ist, radle gern, wandere gern, gehe gerne schwimmen, ab und zu ins Fitness Studio, was so dazu gehört. Das ist gut möglich, man muss sich nur selbst disziplinieren, damit man nicht dem Arbeitswahn verfällt. Das halte ich für eine große Krux unserer Gesellschaft.

mkn: Wenn Sie verreisen – wohin geht es dann. Immer noch nach Südamerika?

Rieger: Es geht meist weit weg, Südamerika ist nach wie vor mein bevorzugter Kontinent, aber es geht auch nach Großbritannien, Italien oder Spanien. Im Januar war ich in Buenos Aires. 10 Tage lang habe ich  mir den Ort angeschaut, wo der gegenwärtige Papst aufgewachsen ist. Das war sehr interessant und aufschlussreich, denn wenn man weiß wo Menschen herkommen, kann man die Aktionen die Worte und Taten von ihnen besser einschätzen. Mir ist jetzt noch klarer, warum Bergoglio so ist wie er ist, warum er zu Entscheidungen greift, denen man mit einem „Oh“ entgegnet.

mkn: Wir wissen jetzt auch ein bisschen genauer, wo Sie, der neue Leiter des Dekanats Laim herkommen. Vielen Dank und alles Gute!   (Interview: Stefanie Schmid)

 

Link:
Dekanat München-Laim im Geo-Informations-System (GIS) der Erzdiözese München und Freising