Kirche und die Corona-Pandemie

Bravo Oberammergau!

Die Passionsspiele entschlossen abzusagen war ein mutiger Schritt. Auch die Kirche macht im Ausnahmezustand eine gute Figur, im Gegensatz zu anderen Institutionen.

Passion vor Corona: Christian Stückl und Darsteller bei den ersten Leseproben zu den Passionsspielen im Herbst 2019. © Kiderle

Wenn es um ihr Passionsspiel geht, gelten die Oberammergauer normalerweise als ziemlich stur und leidenschaftlich. Mit der frühzeitigen Absage für dieses Jahr zeigen die Menschen und Behörden im Werdenfelser Land aber eine bemerkenswerte Umsicht und Nüchternheit. Mit der Verschiebung auf das Jahr 2022 kleckern sie nicht herum, sondern sie klotzen, spielen nicht auf ein paar Monate Zeitgewinn, sondern treffen weitreichende Entscheidungen. Und das ist richtig so!

Corona wird dauern

Denn die Virologen rechnen durchaus damit, dass die Corona-Pandemie sich etwa eineinhalb Jahre lang hinziehen kann. Die Oberammergauer gehen durch ihre großzügige Zeitplanung verantwortungsvoll mit der Gesundheit ihrer Passionsdarsteller und ihrer Zuschauer um. Also Bravo, Oberammergau, für diese Entscheidung! Gerade, wenn man sie mit dem Herumeiern des Internationalen Olympischen Komitees vergleicht. Die Spekulation, dass im Sommer vielleicht wieder alles ganz normal sein könnte, ist geradezu fahrlässig. Sie entspringt vor allem kommerziellen Erwägungen.

Gut, Oberammergau ist nicht das IOC und natürlich viel kleiner. Viel größer als das IOC ist aber die Kirche und auch sie macht in der Krise eine wesentlich bessere Figur. Sie ist gut darauf vorbereitet, ihr größtes Ereignis des Jahres, das Osterfest, sozusagen die alljährlichen Olympischen Spiele der Christenheit, komplett umzukrempeln.

Vorteil Kirche

Sie nutzt die modernen Medien, um alle Gläubigen an Ostern zu erreichen und vereinfacht den Kultus, damit er durchgeführt werden kann. Auch das Erzbistum hat frühzeitig auf die Krise reagiert und Gottesdienste abgesagt. Sie sind die Mitte katholischen Lebens! Klugerweise sehen die Verantwortlichen aber, welcher Gefahr sie Gläubige und Nichtgläubige mit öffentlichen Veranstaltungen aussetzen. Wie der Vatikan, verweist auch die Erzdiözese auf die elektronischen Medien wie das Münchner Kirchenradio und das Internet, über die Gottesdienste gültig mitgefeiert werden können. Die Gläubigen versammeln sich auch am Radio oder am Rechner gemeinsam vor Gott. Sie sind dann zwar nicht von Angesicht zu Angesicht, aber von Herz zu Herz miteinander verbunden.  

Die Kirche hat vor dem IOC und anderen Sportverbänden allerdings einen entscheidenden Vorteil. Im Evangelium geht es nicht um Sieg oder Niederlage, durch die Auferstehung Christi haben die Gläubigen, hat jeder Einzelne schon längst alles gewonnen, das Ergebnis liegt seit fast 2000 Jahren schon immer vor. Die Kirche braucht für ihre Botschaft keine spannenden Wettkämpfe um erste, zweite oder dritte Plätze. Darum war und ist sie in Krisen-Zeiten ein Leuchtturm der Hoffnung.  Und in der Corona-Pandemie ist sie es durch ihr umsichtiges Handeln auch ganz praktisch.

Der Autor
Alois Bierl
Chefreporter Sankt Michaelsbund
a.bierl@st-michaelsbund.de

Audio

Zum Nachhören: Kommentar im Münchner Kirchenradio

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Corona - Pandemie