Trachten, Bräuche, Christentum

Bräuche bröckeln ohne den Glauben

Unsere bayerische Heimat ist gesegnet mit vielen schönen Bräuchen und Traditionen, die vor allem von den Trachten- und Traditionsvereinen weitergetragen werden. Viele bayerische Bräuche sind christliche Bräuche und wären ohne den christlichen Hintergrund nicht zu verstehen.

Josef Steindlmüller ist Pfarradminstrator im Pfarrverband Esting-Olching.

Von daher überrascht es nicht, dass Vieles im kirchlichen Leben, gerade auf dem Land, dankenswerter Weise von den Trachten- und Traditionsvereinen (mit)getragen wird (Palmbuschenbinden, Wallfahrten, Prozessionen et cetera). Allerdings ist es kein Geheimnis, dass die Glaubenskrise auch vor den Vereinslokalen der Trachtenvereine nicht halt gemacht hat. Ohne den Glauben verlieren die christlichen Bräuche aber ihren Sinn und werden zur reinen Folklore. Das Problem dabei ist: wenn der Sinn eines Brauches nicht mehr verständlich ist und wenn man ihn nur mehr macht, „weil es der Brauch ist“, dann läutet im Hintergrund schon die Totenglocke für ihn.

Hier ein Beispiel: der Generation meines Großvaters war es noch selbstverständlich, dass man an der Fronleichnamsprozession mit dem „scheena Gwand“, der Tracht, teilnimmt, um Christus im „allerheiligsten Sakrament des Altares“ die Ehre zu erweisen. Heute kann man das Wissen um die Bedeutung der Eucharistie nicht mehr voraussetzen. Logischerweise beginnt dann dieser Brauch zu bröckeln, weil er seine innere Mitte verloren hat und man sieht bei den Prozessionen immer weniger Trachten (wie auch weniger Leute). Mir geht es jetzt nicht darum, einer vermeintlich guten alten Zeit hinterher zu trauern, sondern einfach darum, der Wahrheit ins Angesicht zu schauen. Deshalb fände ich es begrüßenswert, wenn in den Pfarreien und Vereinen (vielleicht auch im neuen Trachtenzentrum) ein Dialog darüber geführt wird, was die christlichen Bräuche bedeuten, was sie uns vom Glauben erzählen und wie sie uns zum Glauben hinführen können. Dann haben diese Bräuche eine Zukunft!