Smartphones in der Schule

Bleibt der Schulhof handyfreie Zone?

An den meisten Schulen gilt momentan noch die Regel: Handys müssen ausgeschaltet bleiben. Doch wie sinnvoll ist ein solches Handyverbot überhaupt?

In der Schule müssen Handys ausgeschaltet werden.

Pullach – Twitter, Snapchat, Instagram – für viele Kinder und Jugendliche ist ein Leben ohne Smartphone nicht mehr vorstellbar. Nur wenn es morgens in die Schule geht, ist erst einmal für ein paar Stunden Funkstille angesagt. Das Bayerische Erziehungs- und Unterrichtsgesetz schreibt vor, dass Handys an– Schulen nichts verloren haben. Der Lehrer kann die Benutzung aber ausdrücklich zulassen, zum Beispiel für die Recherche.

Das Smartphone als Lernmaterial

Dabei können Smartphones auch einen pädagogischen Nutzen haben, meinen Experten. In Pilotprojekten arbeiten Schüler bereits mit Tablet-Computern. Erste Ergebnisse zeigen: Mathe lernen geht damit schneller und Schüler haben Spaß, Neues auszuprobieren. Ob die Schule auch in Zukunft handyfreie Zone bleibt, ist also unsicher. Stefan Antoni, Schulleiter des Pater-Rupert-Mayer-Gymnasiums in Pullach bei München, ist überzeugt, dass sich im Unterrichtsgesetz bald etwas ändern wird. Dass Schüler im Unterricht Dinge gemacht hätten, die sie eigentlich nicht durften, habe es schon immer gegeben, meint Antoni. Momentan denken er und seine Kollegen darüber nach, im nächsten Schuljahr das erste browserbasierte Schulbuch einzuführen. Das biete vollkommen neue Möglichkeiten.

Lehrer und Schüler beraten gemeinsam

Am Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium setzen sich Lehrer und Schüler der Schülermitverwaltung (SMV) immer wieder zusammen und beratschlagen zusammen, wie man mit der Digitalisierung im Schulhof umgehen kann. Momentan müssen die Handys, wie in den meisten Schulen, ausgeschaltet bleiben – auch in der Pause. Es sei naheliegend gewesen, einen solchen Verhaltenskodex einzufordern, erklärt Schulleiter Stefan Antoni. Zu Beginn seiner Amtszeit hätten die Schüler im Pausenhof fast nur noch auf das Handy geschaut und sich kaum noch miteinander unterhalten.

Wird eine Schülerin oder ein Schüler mit dem Smartphone im Unterricht erwischt, landet das Handy im Sekretariat. Erst am Ende des Schultages darf es der Schüler dort wieder abholen. Beim zweiten Mal muss es von den Eltern abgeholt werden. Beim dritten Mal wird zudem ein Elterngespräch mit dem Schulleiter verlangt.

Ein Leben ohne Smartphone - unvorstellbar

Franziska geht in die zehnte Klasse am Pater-Rupert-Mayer-Gymnasium und ist Schülersprecherin. Das Handyverbot an der Schule ist für sie sinnvoll. An der Schule kam es auch schon vor, dass Prügeleien gefilmt wurden, erzählt die Schülerin. Lästig sei das Verbot nur, wenn man in einem dringenden Fall einmal die Eltern anrufen müsse. „Dann darf man sich halt nicht erwischen lassen“, lacht Franziska.

Ihre Schülersprecher-Kollegin Maya aus der elften Klasse musste das Handy schon einmal abgeben, weil sie es im Unterricht verwendet hat. Trotzdem gehören auch ihrer Meinung nach Smartphones eigentlich nicht an die Schule. Ein Leben ohne könnte sie sich aber nicht mehr vorstellen. „Wir sind einfach damit aufgewachsen. Aber ich beneide auch meine Eltern darum, dass sie in ihrer Jugend noch kein Handy hatten. Man hat einfach fix ausgemacht, zu welchem Zeitpunkt man sich trifft“, sagt Maya. Heute wird einfach eine Kurznachricht per Whatsapp geschickt, dass man mal wieder etwas später kommt.

Vorerst bleibt der Schulhof handyfrei

Zur Aufgabe der Lehrer gehört es auch, Schüler vor jugendgefährdenden Inhalten, die das Internet mit sich bringt, zu schützen. Die Lehrer des Pater-Rupert-Mayer-Gymnasiums beschäftigen sich mit dem Thema und nehmen an Schulungen teil, wie man am besten mit den neuen Medien umgeht. Es bleibt also spannend zu sehen, wie es in Zukunft mit den neuen Medien an den Schulen weitergeht.

Wie sehr beeinflussen moderne Medien unsere Gefühlswelt? Um diese Frage geht es in der Einfach Leben-Sendung im Münchner Kirchenradio. Professor Sarah Diefenbach von der LMU in München forscht schon seit langem über Mensch-Technik-Interaktion. Also wie zum Beispiel Smartphone und Soziale Netzwerke das Wohlbefinden beeinflussen. Die Sendung hören Sie am Samstag,15. Juli, zwischen 12 und 14 Uhr oder auch am Sonntag, 15. Juli, zwischen 8 und 10 Uhr.

Der Autor
Manuel Rauch
Radio-Redaktion
m.rauch@st-michaelsbund.de