Prävention von Missbrauch

Bischöfe kündigen neue Maßnahmen an

Zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche haben die katholischen Bischöfe weitere Schritte angekündigt. Welche Maßnahmen sie bei ihrem Frühjahrstreffen in Lingen ankündigten, lesen Sie hier.

Großes Medieninteresse bei der Pressekonferenz zur Aufbereitung des sexuellen Missbrauchs in der Kirche am Mittwoch in Lingen mit Bischof Ackermann (vorne rechts)

Lingen – Die katholischen deutschen Bischöfe haben neue Maßnahmen zur Aufarbeitung des sexuellen Missbrauchs beschlossen. So soll mit dem Missbrauchsbeauftragten der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, ein Leitfaden für die unabhängige Aufarbeitung in den Diözesen erarbeitet werden, wie der Trierer Bischof Stephan Ackermann am Mittwoch beim Frühjahrstreffen der deutschen Bischöfe in Lingen sagte. Mit der von Rörig eingerichteten Arbeitsgruppe "Aufarbeitung Kirche" sei ein Treffen bis Ende Mai 2019 vereinbart, sagte der Beauftragte der Deutschen Bischofskonferenz für Fragen des sexuellen Missbrauchs.

Zahlungen werden überprüft

Zudem wurde nach den Worten des Bischofs ein Gutachten in Auftrag gegeben, welches das Verfahren der kirchlichen Anerkennungszahlungen für Opfer überprüft. Ein Workshop mit Experten aus Kirche und Gesellschaft trage im Frühjahr Erfahrungen und erste Bewertungen zusammen. Bisher seien rund 1.900 Anträge bei der dafür zuständigen Zentralen Koordinierungsstelle eingegangen. In der Regel erhalten Betroffene eine Anerkennungszahlung von 5.000 Euro, was von Opferverbänden als zu gering kritisiert wird.

Mit Blick auf die Einrichtung unabhängiger Anlaufstellen für Betroffene läuft laut Ackermann derzeit eine Recherche, inwieweit sich nichtkirchliche Beratungsangebote als Kooperationspartner der Kirche eignen. Ziel sei, eine niederschwellige, gegenüber der katholischen Kirche vertrauliche und eventuell anonyme Beratung zu etablieren.

Transparent dokumentieren

Weiter kündigte Ackermann an, dass Standards für die Führung von Personalakten von Klerikern entwickelt werden. Es sei sicherzustellen, dass künftig Missbrauchsbeschuldigungen in allen Diözesen verbindlich, einheitlich und transparent dokumentiert werden.

Der Missbrauchsbeauftragte der Bundesregierung, Johannes-Wilhelm Rörig, hat die vorgestellten Maßnahmen der Bischofskonferenz zur Aufarbeitung von sexueller Gewalt in der Kirche begrüßt. Es gebe damit Grünes Licht für eine Zusammenarbeit mit seinem Amt und der dort eingerichteten Arbeitsgruppe "Aufarbeitung Kirchen", erklärte Rörig der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Berlin.

Arbeitsgruppe mit Betroffenen

In der Arbeitsgruppe sind seinen Angaben zufolge sieben Personen vertreten, darunter die frühere Familienministerin Christine Bergmann und der Sozialpsychologe Heiner Keupp als Vertreter unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs sowie die Mitglieder des Betroffenenrates, Matthias Katsch und Kerstin Claus. Katsch ist auch Sprecher der Betroffeneninitiative "Eckiger Tischer", zu der sich Missbrauchsopfer aus von Jesuiten geführten Schulen zusammengeschlossen haben, und ein Sprecher des weltweiten Netzwerkes "Ending Clery Abuse". Claus wurde von einem evangelischen Pfarrer missbraucht. Damit sei in der Arbeitsgruppe "Aufarbeitung Kirchen" die Einbeziehung von Betroffenen gewährleistet.

Auch mit dem Beauftragtenrat der evangelischen Kirche bestehe ein konstruktiver Austausch zu einheitlichen Kriterien und Standards der Aufarbeitung, ergänzte Rörig. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch Bischofstreffen in Lingen