Orientierungsjahr für junge Männer

„Berufungen müssen wachsen“

Berufungen zu einem christlichen Lebensentwurf bleiben oft in den Anfängen stecken, weil die geistliche Begleitung dafür fehlt. Das Münchner Priesterseminar will das jetzt mit einem Jahr der Berufungsorientierung ändern. Junge Männer können sich dort in Ruhe überlegen, in welche Richtung ihr zukünftiger Lebensweg gehen soll.

Jahr der Berufungsorientierung soll jungen Männern helfen, ihren Weg in und mit der Kirche zu klären (Bild: Fotolia - alphaspirit)

München – Was will Gott aus meinem Leben machen? Diese Frage beschäftigt mehr junge Männer, als man denkt, meint Andreas Schmidt. Der Priester muss es wissen: als Spiritual des Erzbischöflichen Priesterseminars ist Schmidt mit der Lebenswelt von jungen erwachsenen Männern vertraut. In der Regel gibt es einen ersten Anruf, der sie darauf hinweist, dass sie Priester oder Ordensmann werden könnten, erklärt Schmidt. Und auch außerhalb der Priesterausbildung kenne er Männer, die bereits im Berufsleben stehen, und sich fragten, ob nicht ein kirchlicher Beruf etwas für sie wäre. „Innerlich arbeitet etwas in ihnen, das ihnen sagt, da ist vielleicht noch etwas anderes da“. Für diese Männer auf der Suche nach der eigenen Berufung bietet das Erzbischöfliche Priesterseminar ab Oktober ein Jahr der Berufungsorientierung an.

Es geht nicht darum, Priesteramtskandidaten zu rekrutieren

Und das funktioniert ganz einfach: Männer zwischen 18 und 30 Jahren wohnen ein Jahr lang im Priesterseminar, gehen ansonsten ihrer bisherigen Arbeit, ihrem Studium oder ihrer Ausbildung nach. In den zwölf Monaten sollen die Mitbewohner auf Zeit prüfen, ob der Anruf, den sie spüren, authentisch ist, ob er sich hält oder vielleicht doch nur ein Strohfeuer war. Gerade mit Blick auf seinen eigenen Lebensweg ist sich Schmidt sicher: Berufungen fallen nicht einfach vom Himmel, sie müssen wachsen und reifen und bedürfen der Unterscheidung. Der Ausgang des Orientierungsjahrs ist damit individuell offen, betont der Spiritual. Es gehe bei dem Angebot nicht darum, Kandidaten für die Priesterausbildung zu rekrutieren. Wenn das Jahr zu Ende geht, wird mit den Männern ein Resümee gezogen. Die Erfahrungen aus den geistlichen Impulsen in dieser Zeit sollen gebündelt werden, so dass sichtbar wird, welche Richtungsentscheidung für den Einzelnen sinnvoll ist. Jede Entscheidung ist gut, dafür ist dieses Jahr der Klärung da, so Schmidt. (ph)