Hans Tremmel über sein Engagement

Begeistert sein

Seit 45 Jahren engagiert sich der heutige Diözesanratsvorsitzende Professor Hans Tremmel (55) ehrenamtlich, auch in der Rätearbeit - und verrät, warum die Zeit der theologischen Bevormundung durch Kleriker seiner Meinung nach vorbei ist.

Diözesanratsvorsitzender Professor Hans Tremmel engagiert sich seit 45 Jahren ehrenamtlich.

Warum engagieren Sie sich ehrenamtlich?
Tremmel:
Es macht mir, schon seit ich denken kann, große Freude, gemeinsam mit anderen Gesellschaft, Kirche und Welt zu gestalten. Auch eine gehörige Portion Pflichtgefühl ist dabei. Ich kann und will nicht darauf warten, dass andere etwas anpacken, wenn ich Aufgaben sehe, die getan werden müssen. Verantwortungsübernahme und Leitungsfunktionen habe ich nie gescheut, wenn mir etwas wichtig war. Manchmal konnte ich aber wohl auch nur schlecht Nein sagen. Die Ämter kamen in der Regel auf mich zu, ganz selten umgekehrt.

Wie sind Sie zum freiwilligen Engagement gekommen?
Tremmel:
Das war wie bei vielen „Lernen am Vorbild“. Mein Vater war in der Kirchenverwaltung, im Gemeinderat und er war Vorstand der Freiwilligen Feuerwehr. Da war es für mich naheliegend, Ministrant, Lektor sowie Mitglied im Pfarrgemeinderat und bei der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) zu werden. Außerdem war ich im Fußballverein und beim Sportverband DJK aktiv. Als Jugendlicher habe ich mich auch an der Schule und bei der Caritas ehrenamtlich engagiert. Ich hatte nie ein „Erweckungserlebnis“. Vielmehr war das freiwillige Engagement immer eine Selbstverständlichkeit. Das ging in vielfältigsten Bezügen an verschiedenen Wohnorten weiter – bis zum heutigen Tag.

Was beschäftigt Sie im Moment?
Tremmel:
Die aktuelle Missbrauchsstudie darf uns nicht zur Tagesordnung übergehen lassen. Wenn wir jetzt nicht strukturelle Weichen stellen, werden wir als Kirche in weiten Teilen unserer Gesellschaft bedeutungslos. Dabei sind wir als Glaubensgemeinschaft, als authentische Sinnstiftungsinstanz und als Institution mit klarer ethischer Ausrichtung mehr denn je gefordert. Es geht uns um die Würde jedes einzelnen Menschen und um die gerechte Bewahrung der Lebensgrundlagen aller. Diese Botschaft ist es wert, dass wir uns mit aller Kraft für die Kirche Jesu Christi und seine Idee von einer besseren Welt einsetzen. Wir sind unverzichtbar, weil durch uns Glaube, Hoffnung und Liebe glaubwürdig bezeugt werden können. Die ethischen Grundaussagen sind nach wie vor großartig, aber sie werden in einer Welt der nationalen, religiösen und wirtschaftlichen Egoismen kaum noch verstanden. Von der kirchlichen Doppelmoral ganz zu schweigen.

Was wollen Sie bewegen?
Tremmel:
Wenn wir tatsächlich „gemeinsam Kirche sein“ wollen, dann muss im Hinblick auf die gemeinsame Nachfolge noch viel geschehen. Frauen und Männer, Junge und Alte, Laien und Kleriker tragen zusammen die Verantwortung. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Die Zeit der theologischen Bevormundung und der einseitigen Machtausübung ist vorbei. Wir alle werden gebraucht in unterschiedlichen Funktionen und in unterschiedlichen Ämtern. Die demokratisch gewählten Räte haben dabei in den vergangenen 50 Jahren zumindest hierzulande klug und segensreich gewirkt. Das wäre durchaus auch ein nachahmenswertes Modell für die Weltkirche. Auch daran arbeite ich.

Kirchliches Engagement hat Zukunft, weil …
Tremmel:
… durch uns die Heilsbotschaft Jesu und die Liebe Gottes glaubwürdig in die Welt hinein vermittelt und erfahrbar gemacht werden kann. Wir leisten einen unersetzlichen Dienst an der ganzen Weltschicksalsgemeinschaft.

(Alexandra Hofstätter. Die Autorin ist Redaktionsleiterin von „Gemeinde creativ“)