Missbrauch

Bayerns Bistümer stellen Justiz Akten zur Verfügung

Die bayerischen Diözesen haben den Staatsanwaltschaften Akten zu Missbrauchsfällen übergeben. Einen Überblick zum Stand der Dinge in den einzelnen Bistümern, lesen Sie hier.

Laut der Missbrauchsstudie der Deutschen Bischofskonferenz haben sich von 1946 bis 2014 1.670 Kleriker an 3.677 Kindern vergangen.

München – Die katholische Kirche in Bayern lässt von den Staatsanwaltschaften Akten zu Missbrauchsfällen überprüfen. Damit setzen die sieben Bistümer das gemeinsam vereinbarte Vorgehen bei der Auswertung der Missbrauchsstudie um. Dazu gab es Gespräche der Diözesen mit den Ermittlungsbehörden. So übergaben etwa das Erzbistum Bamberg und das Bistum Würzburg entsprechende Akten von Beschuldigten der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg, wie dort ein Sprecher bestätigte. Diese würden nun ausgewertet und auf die jeweils zuständigen Dienststellen verteilt.

Würzburgs Bischof Franz Jung hatte am Mittwochabend angekündigt, dass das Bistum über den in der Studie erfassten Zeitraum 2000 bis 2015 hinaus Akten untersuche und mögliche Fälle ab 1970 ebenfalls der Justiz übergebe. Das Bistum Eichstätt verwies auf eine Vereinbarung mit der Staatsanwaltschaft Ingolstadt. Demnach wird die Diözese sämtliche Personalaktenvorgänge zur Verfügung stellen, die in die Studie eingeflossen seien. Die Justiz prüfe, ob Verdachtsfälle noch nicht Gegenstand strafrechtlicher Ermittlungen gewesen seien.

Anonymisierte Form

Das Erzbistum München und Freising stellt nach Aussage eines Sprechers derzeit alle Fälle aus der Studie zusammen, die noch nicht angezeigt wurden. Die Ermittlungsbehörde erhalte dann in anonymisierter Form Bögen zu Tätern und Opfern. Fordere die Staatsanwaltschaft die Akten zu einzelnen Fällen an, bekomme sie diese.

Das Bistum Augsburg verwies auf ein Gespräch, das vor wenigen Tagen mit der Generalstaatsanwaltschaft in München geführt worden sei. "In Konsequenz dieses Gespräches werden derzeit alle im Rahmen der MHG-Studie erfassten Missbrauchsfälle zusammengestellt und in nächster Zeit dorthin übermittelt." Dies erfolge auch, wenn erkennbar eine strafrechtliche Verjährung eingetreten sei.

Bistum bittet um Prüfung

Für das Bistum Regensburg erklärte Generalvikar Michael Fuchs auf Anfrage, es habe bereits vor Wochen ein "sehr gutes Gespräch" mit der Staatsanwaltschaft gegeben. Vom Bistum seien dabei keine Akten verlangt worden, dieses habe aber in "einigen unsicheren Fällen" von sich aus um eine Prüfung gebeten. Die Zahl bewege sich "im einstelligen Bereich".

Der Passauer Generalvikar Klaus Metzl sagte, aufgrund eines Anschreibens der Generalstaatsanwaltschaft München seien "alle einschlägigen Personalakten erneut der Staatsanwaltschaft Passau zur Prüfung vorgelegt" worden. Bereits in der Vergangenheit, im Besonderen seit 2010, habe das Bistum beim "geringsten Verdacht" offensiv mit den Ermittlungsbehörden zusammengearbeitet. Derzeit seien keine weiteren Untersuchungen geplant. Sofern die Staatsanwaltschaft jedoch weitere Akten außerhalb des in der Missbrauchsstudie untersuchten Zeitraums einsehen wolle, werde dies "selbstverständlich" ermöglicht. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Kirche und Missbrauch