Malteser Momente

Bayerische Herzensretter

Ein großes Stelldichein von Schulsanitätern aus Bayern gab es Ende März in Puchheim. Wir waren vor Ort mit dabei.

Wiederbelebung mit Hilfe des Defibrillators © SMB/Hasel

In der Realschule in Puchheim (Dekanat Fürstenfeldbruck) sieht es aus wie in einem Notlazarett nach einer Katastrophe. Mehr als 200 Schulsanitäter aus ganz Bayern knien auf Matten am Boden und versuchen, die Herzen lebloser Menschen wieder zum Schlagen zu bringen. Was aussieht wie der Ernstfall ist zum Glück nur der jährliche Praxistag des Schulsanitätsdienstes, den die fünf großen Hilfsorganisationen in Bayern bereits zum achten Mal gemeinsam anbieten und durchführen. Auch Schulsanitäter des Malteser Hilfsdienstes üben sich in der Herzdruckmassage. Mindestens einhundert Mal pro Minute sollen sie auf den Brustkorb der Übungspuppe drücken, um sie zu reanimieren. Sie müssen durchhalten, bis der Rettungsdienst eintrifft. Laute Rockmusik sorgt dafür, dass die Miniretter beim Drücken nicht aus dem Takt kommen. Schließlich haben es die Buben und Mädchen geschafft: der Patient ist gerettet, die Notfallsanitäter nehmen ihn mit ins Krankenhaus. Für die erfolgreiche Wiederbelebungsmaßnahme gibt es für alle Teilnehmer die Herzensretter-Medaille in Bronze.

Was hier spielerisch geübt wurde, war lange Zeit undenkbar. Noch vor 40 Jahren durften ausschließlich Ärzte die Herzdruckmassage am Patienten durchführen. Nur langsam wurden die Regelungen gelockert. Mittlerweile hat man auch die jungen Leute als Lebensretter entdeckt. „Wiederbeleben ist einfach, das kann wirklich jeder“, betont Felix Höpfl, der bei den Maltesern im Erzbistum München und Freising die Erste Hilfe Ausbildung leitet. Einfach Hände auf die Brust und losdrücken. Es werde jede Hand gebraucht, denn in nur etwa 40 Prozent der Fälle hätten in der jüngeren Vergangenheit Ersthelfer bei einem Herz-Kreislaufstillstand mit der Wiederbelebung begonnen. Das koste jährlich tausende Leben, so Höpfl. Damit sich daran etwas ändert, habe man sich das Herzensretter-Programm ausgedacht. Das Konzept ist von der Bundesarbeitsgemeinschaft Erste Hilfe entwickelt worden. Schritt für Schritt kann man sich dabei zum Wiederbelebungs-Spezialisten ausbilden lassen. Bei der Herzensretter-Medaille in Silber kommt das richtige Beatmen des Patienten dazu. Und wer die Goldmedaille schafft, der kann auch mit dem Defibrillator umgehen.

Für beide Lebensretter-Stufen werden beim Praxistag Workshops angeboten. Daniel aus Rothenburg ob der Tauber hat sich für den Gold-Kurs entschieden und beweist eindrucksvoll, dass er überhaupt keine Berührungsängste mit dem Defibrillator hat. Im Ernstfall müsste er vielleicht seinen Lehrer zurück ins Leben holen. Daniel bereitet diese Vorstellung aber kein Kopfzerbrechen. „Wenn man das regelmäßig übt, sollte es im Notfall auch gut klappen“, meint der junge Schulsanitäter selbstbewusst.

Der Autor
Paul Hasel
Radio-Redaktion
p.hasel@st-michaelsbund.de

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Praxistag der bayerischen Schulsanitäter

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