Predigten der Osternacht

Bayerische Bischöfe sehen Ostern als Fest der Hoffnung

Die christliche Botschaft darf nicht zum Schüren von Angst und Machtausübung missbraucht werden. Das betonte Kardinal Reinhard Marx im Münchner Liebfrauendom.

Kardinal Marx in der Osternacht im Liebfrauendom (Archiv, 2018)

München – Bayerns Bischöfe sehen Ostern als Fest der Hoffnung und des Neuanfangs. Der Münchner Kardinal Reinhard Marx warnte deshalb davor, die christliche Botschaft zum Schüren von Angst und zur Machtausübung zu missbrauchen. "Die österliche Dynamik widersteht einer Kultur des Todes, die sich selbst immer wieder nährt aus Angst, Misstrauen, Hass und Gewalt", sagte Marx im Münchner Liebfrauendom. Deshalb gelte: "Wo der Glaube missbraucht wird als Instrument der Spaltung, der Unterdrückung und Erniedrigung, wird die österliche Botschaft pervertiert."

Christliche Prägung Europas

Marx, der auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz ist, stellte klar, dass es Auftrag der Christen sei, "als Kirche - aber auch in unseren Gesellschaften und in den politischen Auseinandersetzungen - das österliche Zeugnis der Hoffnung spürbar und sichtbar zu machen". In dieser Hoffnung für alle Menschen liege die christliche Prägung Europas: "Ostern ist ein Ja-Wort zum Leben, zur Schöpfung, zum Miteinander aller Menschen!"

Bedford-Strohm: Auferstehung macht Mut

Der bayerische Landesbischof und Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland, Heinrich Bedford-Strohm, nannte die österliche Geschichte der Auferstehung Jesu die "wichtigste Botschaft überhaupt". Damit stehe und falle der ganze christliche Glaube. Die Hoffnung auf die Auferstehung mache Mut, mit den täglichen Schreckensmeldungen fertig zu werden. Ohne den Glauben an seine Auferstehung wäre Jesus "ein eindrucksvoller Mensch, der für seine Überzeugungen mit seiner ganzen Existenz eingetreten, am Ende aber doch gescheitert ist".

Schick: Nacht des Jubels

Weil Jesus aber nicht im Grab geblieben, sondern auferweckt und von seinen Jüngern gesehen worden sei und ihnen seine Nähe zugesagt habe, darum spürten die Menschen seine Gegenwart bis heute, sagte Bedford-Strohm. Sie wüssten, dass am Ende nicht Gewalt, Hass und Tod, sondern das Leben siege. Nach Auffassung des Bamberger Erzbischofs Ludwig Schick ist die Osternacht eine Nacht des Jubels und des Dankes. "Sie ist eine Nacht, die vom Licht erhellt ist, die das Licht Christi bringt, das nie wieder erlöscht", sagte er im Bamberger Dom. Dieses neue Leben sei Freiheit, Vertrauen, Hoffnung, Liebe und Einsatz.

Die Osterbotschaft bietet nach den Worten des Eichstätter Bischofs Gregor Maria Hanke die Perspektive, sich nicht arrangieren zu müssen mit der Logik von Gesellschafts- und Herrschaftssystemen sowie der Ökonomisierung des Lebens. Die Feier der Auferstehung Jesu sei "ein Bekenntnis, dass wir uns nicht einfach abfinden wollen mit den Gegebenheiten dieser Welt", sagte Hanke im Eichstätter Dom. Er lud die Gläubigen ein, als Zeugen der Hoffnung zu leben und zu handeln.

Voderholzer: Christen sind "große Zeugengemeinschaft"

In Regensburg nannte Bischof Rudolf Voderholzer die Christen eine "große Zeugengemeinschaft". Christlicher Glaube lebe aus der persönlichen Begegnung mit Christus. Weder Volksbefragung oder Mehrheitsentscheidung noch Schielen auf den Mainstream sicherten ihm Glaubwürdigkeit und Zukunft, sondern allein das standhafte Bekenntnis.

Ostern heiße, "dass das Leben uns überholt", betonte der Würzburger Bischof Franz Jung. Alle Bemühungen, das bislang Vertraute festhalten zu wollen, seien zum Scheitern verurteilt. Statt künstlicher lebenserhaltender Maßnahmen gehe es um den Hauch des lebendigen Geistes, in dem alles neu geschaffen werde, so der Bischof. "Auferstehung also, nicht Wiederbelebung!" Das wünsche er sich auch auf dem Weg zur Erneuerung des Bistums.

Oster: Vom Auferstandenen berührt

Der Passauer Bischof Stefan Oster zeigte sich davon überzeugt, was die Kirche durch ihre Geschichte hindurch tatsächlich verändert habe, das seien Frauen und Männer gewesen, "denen der Auferstandene wirklich ans Herz und ins Herz gegangen ist". Das seien Menschen, die nicht zuerst die Veränderungen der Strukturen einforderten, in der Hoffnung, dass sie dann vielleicht doch wieder richtig glauben könnten. "Sondern es sind Menschen, die zuerst glauben, die den Herrn suchen und lieben und die wirklich den Menschen dienen, weil sie vom Auferstandenen berührt sind", so Oster.

Der Augsburger Bischof Konrad Zdarsa betonte, Christen bräuchten die Auferstehung des Herrn vor niemandem zu verteidigen oder nach Beweisen ihrer Möglichkeit zu suchen, "wenngleich es derer zahlreiche gibt, die vor dem Urteil unserer Vernunft Bestand haben". Denn die Verkündigung der Kirche stehe auf diesem Grund, "und wir stehen auf diesem Grund in lebendigem Glauben". (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Ostern