Selbstfahrende Autos

Auto fahren mit ethischen Problemen

Eine WhatsApp Nachricht schreiben, Emails checken oder ganz entspannt ein Buch lesen. Das alles sicher bei 130 km/h hinterm Steuer. Keine Zukunftsmusik, sondern Realität. Verkehrsminister Alexander Dobrindt und Weihbischof Anton Losinger haben so ein hochautomatisiertes Auto ausprobiert.

Verkehrsminister Dobrindt und Weihbischof Losinger vor ihrer Testfahrt mit dem hochautomatisierten Auto.

München – „Jack“ - so nennen Losinger und Dobrindt liebevoll den weiß grauen Flitzer eines deutschen Auto-Herstellers aus Ingolstadt. Die beiden testen das hochautomatisierte Auto auf der A9 bei München. Es ist nicht ihre erste Testfahrt. Dobrindt, der die Forschung an automatisierten Fahrsystemen fördert, ist jedes Mal wieder begeistert. „Die Testfahrt hat wieder richtig Freude gemacht,“ sagt Dobrindt, als er aus „Jack“ aussteigt. „Man hat diese zwei Knöpfe am Lenkrad, man drückt sie, das Lenkrad fährt von einem weg. Dann übernimmt das Auto jegliche Fahrfunktion, selbstständiges überholen, Gas geben oder bremsen. Das ist unglaublich beeindruckend.“

Mehr Sicherheit

Für Dobrindt ist automatisiertes Fahren so überzeugend, weil die Autos den Straßenverkehr durch eine 360 Grad Überwachung sicherer machen und Unfälle verhindern können. Viele Unfälle werden durch Menschen verursacht, weil sie zu langsam reagieren oder abgelenkt sind. Dobrindt selbst hat solche Situationen, in denen Menschen oft nicht schnell genug reagieren, in „Jack“ miterlebt: „Wir waren mit „Jack“ auf der rechten Spur und er wollte auf die mittlere Spur wechseln. In dem Moment, als er das Überholmanöver eingeleitet hat, ist ein Fahrzeug von ganz links, was hinter uns war, unvermittelt auf die mittlere Spur gefahren. „Jack“ hat das sofort erkannt, hat sein Überholmanöver abgebrochen und ist wieder zurück auf die rechte Spur gefahren.“

Als Weihbischof Losinger aus Augsburg das erste Mal die zwei Knöpfe auf dem Lenkrad gedrückt hat und die Hände vom Steuer nehmen musste, war er zuerst etwas skeptisch. „Aber sobald man sieht, wie gut technisch entwickelt sich dieses Auto benimmt, fasst man Vertrauen. Man muss sehr nüchtern erkennen, dass diese neuen technischen Möglichkeiten der digitalen Steuerung unsere Mobilität verändern und deshalb natürlich eine ganze Reihe von ethischen und rechtlichen Fragen aufwerfen.“

Verkehrsminister Dobrindt und Weihbischof Losinger begutachten die Technik von "Jack".
Verkehrsminister Dobrindt und Weihbischof Losinger begutachten die Technik von "Jack". © SMB/Dyckmans

Neue Technologien = Neue ethische Fragen

Um diese ethischen Fragen zu klären, hat das Verkehrsministerium eine Ethik Kommission ins Leben gerufen. 14 Wissenschaftler und Experten sollen unter der Leitung des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Prof. Udo Di Fabio die ethischen Leitlinien für die Programmierung solcher automatisierten Autos entwickeln. „Da geht es um Dilemma-Situationen, die rund um die Mobilität entstehen können, da geht es aber auch um die Fragen, was muss ein Programmierer der Software, die das Auto steuert, unter ethischen Gesichtspunkten berücksichtigen", so Verkehrsminister Dobrindt.

Diese Leitlinien hat auch Weihbischof Losinger mitgestaltet. Nach seiner Arbeit im deutschen Ethikrat, fragte ihn der Verkehrsminister für die Kommission seines Ministeriums an. Für Losinger ist es besonders wichtig, dass ethische Fragen schon vorab geklärt werden, bevor die Gesellschaft von technischen Phänomenen überrollt wird. Auch wenn Losinger von "Jack" – dem hochautomatisierten Auto – begeistert ist, weiß er von den Gefahren der neuen Mobilität. Gewisse ethische Prinzipien dürfen nicht verletzt werden. „Und überall, wo es zu unvorhergesehene Unfallsituationen kommen könnte, wird die Verhinderung solcher Unfälle an erster Stelle sein. An zweiter Stelle, dass niemals Menschen nach persönlichen Merkmalen oder nach Zahl aussortiert werden können im Hinblick auf möglichen Verletzungen oder Tötung." Die Leitlinien mit den 20 Regeln für das Programmieren solcher hochautomatisierten Autos wird in Kürze in Berlin vorgestellt.

Zukunftsplanung für Familie Dobrindt

Für Verkehrsminister Alexander Dobrindt ist jetzt schon klar, sobald solch ein Auto auf den Markt kommt, wird seine Familie hochautomatisiert von Berlin in die Heimat Bayern fahren. „Ich weiß, was dieses an Zeit-Gewinn bringt, was es an Sicherheits-Gewinn bringt. Ich weiß, dass der Verkehr weiter zunehmen wird und das deswegen alles, was mir das Autofahren sicherer macht und mir die Zeit, die ich auf der Straße verbringe, anders nutzbar macht, ein riesen Gewinn für mich, mein Leben und mein Alltag ist. Deswegen, ja, ich will auch so ein Auto.“ Hersteller rechnen damit, dass es in den nächsten fünf Jahren soweit sein wird. Bis dahin muss sich Familie Dobrindt noch gedulden. (Pia Dyckmans)

Die Autorin
Pia Dyckmans
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