Fronleichnamsprozession München

Auf neuen Wegen

Die zentrale Fronleichnamsprozession in München erhält wegen des Baus der zweiten S-Bahn-Stammstrecke eine andere Route. Wir zeigen Ihnen, wo's heuer langgeht.

So wie im vergangenen Jahr auf der Ludwigstraße wird die Prozession heuer nicht verlaufen.

München – Es ist Münchens XXL- Baustelle, das größte Verkehrsprojekt derzeit: Die Arbeiten an der zweiten S-Bahn-Stammstrecke. Bis 2026, so die Planungen, wird hier gebuddelt und gegraben. 3,85 Milliarden Euro soll der neue Tunnel 40 Meter unter der Erde kosten, der das Münchner S-Bahn-Netz entlasten soll. Derzeit sind erst die Vorbereitungsmaßnahmen im vollen Gang. Doch bereits in dieser Phase hat das Mammutprojekt – außer Lärm, Dreck und Sperrungen – auch Auswirkungen auf die Münchner Fronleichnamsprozession am Donnerstag, 15. Juni: Diese muss einen neuen Weg nehmen.

Nach dem morgendlichen Gottesdienst um 9 Uhr mit Kardinal Reinhard Marx auf dem Marienplatz führt die sich anschließende Prozession wegen der Baustellensituation heuer erstmals vom Marienplatz über die Residenzstraße zum Segensaltar am Wittelsbacherplatz und dann durch die Brienner Straße weiter über den Karolinenplatz zum Abschluss am Königsplatz. Dort endet die Prozession. Der Weg ist mit rund 1,4 Kilometern deutlich kürzer als die bisherige über zwei Kilometer lange Route. Georg Schmidtner, Leiter der Abteilung Stadt- und Landpastoral im Ordinariat, ist der Veranstaltungsleiter. Er rechnet mit dem neuen Prozessionsweg auch in den kommenden Jahren.

Der neue Verlauf der Münchner Fronleichnamsprozession © EOM

Die Übertragung der Gebetstexte und Lieder, so versichert Schmidtner, soll auch auf dem gesamten neuen Weg gewährleistet sein. Eigene Technikstellen am Marien- und Odeonsplatz sorgen dafür, Lautsprecher werden auf den öffentlichen Laternenmasten befestigt. Bis zum Wittelsbacher Platz wird der Domchor vom Marienplatz zu hören sein. Dann tritt der Chor von St. Ludwig auf den Plan. Hier schert die sogenannte „Gruppe A“ aus dem Prozessionszug – also die Priesteramtskandidaten, die Ordens- und Diözesanpriester, das Domkapitel, das Allerheiligste, die Vertreter von Staat und Stadt, der Räte und Verbände sowie die Ordensritter und Ehrengäste aus dem Zug heraus hin zum Segensaltar. Die restliche Prozession zieht weiter, „sonst würde es hier zu Stau und Gedränge kommen“, sagt Schmidtner.

Nach der Statio gliedert sich „Gruppe A“ wieder ein. Am Königsplatz singt schließlich der Chor der benachbarten Benediktiner-Pfarrei St. Bonifaz. Für diese ist das heuer zugleich auch die Pfarrfronleichnamsprozession. Nach dem Eucharistischen Schlusssegen endet der Zug vor der fotografisch interessanten Kulisse der Propyläen. Ein neues Sicherheitskonzept wurde zudem erstellt, man rechnet mit 7.000 bis 8.000 Gläubigen. Zwischen 7 und 7.30 Uhr wird über die Durchführung entschieden, bei Regen ist man im Liebfrauendom. Schmidtner hofft aber natürlich auf Sonnenschein und eine „schöne, würdige und friedvolle Prozession“.

Am zweiten Donnerstag nach Pfingsten feiert die katholische Kirche das Fest Fronleichnam. Der Name bedeutet übersetzt so viel wie "Fest des Leibes und Blutes Christi". Er leitet sich ab aus dem Althochdeutschen. Dabei steht "vron" für "Herr" und "licham" für "Leib".
Mit dem Fest erinnern die Katholiken an die Gegenwart Jesu im Sakrament der Eucharistie. In Prozessionen tragen Geistliche Monstranzen mit der als Leib Christi verehrten Hostie durch die Straßen. Fronleichnam ist gesetzlicher Feiertag in Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie ausgewählten Gemeinden in Sachsen und Thüringen. Die aus der Reformation hervorgegangenen Kirchen feiern das Fronleichnamsfest nicht.
Papst Urban IV. führte Fronleichnam 1264 als allgemeines Kirchenfest ein, 1317 ordnete Papst Johannes XXII. den Donnerstag als Festtag an. Das Fest geht zurück auf eine Vision der Augustinernonne Juliana von Lüttich im Jahr 1209; sie wurde später heiliggesprochen.
Mit einer Prozession wurde Fronleichnam erstmals in den 1270er Jahren in Köln begangen. In der Reformation entwickelte sich das Fest zu einem konfessionsscheidenden Merkmal. Luther bezeichnete es 1527 als "allerschädlichstes Jahresfest", dem die biblische Grundlegung fehle. Der Gegensatz hat sich inzwischen abgeschwächt: Auch auf evangelischen Kirchentagen gab es in den vergangenen Jahren mehrfach gemeinsame Fronleichnamsprozessionen. Die heutige Sinngebung des Festes geht vom Bild des wandernden Gottesvolkes aus, dessen Mitte Christus ist, das "Brot des Lebens". (KNA)

Der Autor
Florian Ertl
Münchner Kirchenzeitung
f.ertl@st-michaelsbund.de