Mit den Augen der Armen

Auf der Suche nach einer neuen Gesellschaftsordnung

Kardinal Reinhard Marx spricht sich gegen einen ungezügelten Kapitalismus aus. Denn dieser habe keinen Blick für die Einzelschicksale, die Schwachen und die Armen. Damit ist er ganz auf einer Linie mit Papst Franziskus.

Traditionelles Weihnachtsmahl der Gemeinschaft Sant´Egidio mit Armen in Santa Maria in Trastevere in Rom. (Bild: Gemeinschaft Sant´Egido)

München/Rom. In Deutschland leben laut Deutschem Kinderschutzbund 2,5 Millionen Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren in Armut. Das heißt, das Geld der Familie reicht nicht aus für Nahrung, Kleidung, eine Wohnung oder für medizinische Notfallversorgung. „Wir sehen die Welt nicht richtig, wenn wir nicht versuchen, sie mit den Augen der Armen zu sehen“, sagte Kardinal Reinhard Max. Es sei wichtig, dass die Kirche ihren Platz bei den Armen suche. Nicht, um deren Status festzuschreiben, sondern um nach Wegen für eine neue Gesellschafts- und Wirtschaftsordnung zu suchen.

Der Erzbischof von München und Freising ist Sozialethiker und spricht sich gegen einen ungezügelten Kapitalismus aus. Denn dieser habe keinen Blick für die Einzelschicksale, die Schwachen und die Armen. Damit ist er ganz auf einer Linie mit Papst Franziskus. Er mahnt: „Das Geld muss uns dienen, es darf nicht regieren.“ In seinem Lehrschreiben „Evangelii Gaudium“ nennt er die ungleiche Verteilung des Reichtums die wichtigste Ursache aller sozialen Übel und von Gewalt: „Solange die Probleme der Armen nicht von der Wurzel her gelöst werden, indem man auf die absolute Autonomie der Märkte und der Finanzspekulation verzichtet und die strukturellen Ursachen der Ungleichverteilung der Einkünfte in Angriff nimmt, werden sich die Probleme der Welt nicht lösen.“ Beide sprechen sich für soziale Verantwortung in
der Marktwirtschaft aus.  Das Modell verbinde die Freiheit auf dem Markt mit dem Prinzip der Gerechtigkeit. Bei wirtschaftpolitischen Entscheidungen müsse das Soziale  immer mitbedacht werden. (kas)