Erleichterung bei Kirche und Politik

Asia Bibi ist frei

Der bestätigte Freispruch für die wegen Blasphemie in Pakistan angeklagte Katholikin Asia Bibi sorgt für Erleichterung in Deutschland.

Ein Plakat mit einem Porträt von Asia Bibi.

Islamabad/Berlin – Das Oberste Gericht des islamisch geprägten Pakistan hat eine Petition zur Überprüfung des Freispruchs für die ursprünglich wegen Blasphemie angeklagte Katholikin Asia Bibi abgelehnt. Der Antragsteller habe keinen Fehler in dem Urteilsspruch des Obersten Gerichts vom 31. Oktober nachweisen können, betonte das Gericht laut pakistanischen Medienberichten. Kirchenvertreter, Menschenrechtler, Hilfsorganisationen und Politiker begrüßten die Entscheidung.

Die Deutsche Bischofskonferenz reagierte mit "großer Erleichterung" auf die Nachricht. Die Ablehnung der Revision sei ein "gutes Zeichen für den Rechtsstaat und den Mut der Richter in Pakistan", erklärte der Vorsitzende der Kommission Weltkirche der Bischofskonferenz, Erzbischof Ludwig Schick. Sie hätten sich durch die gewalttätigen Proteste von Islamisten nicht einschüchtern lassen.

Das katholische Hilfswerk missio Aachen sieht in der Entscheidung ein Signal, dass Staat und Justiz in Pakistan den Schutz religiöser Minderheiten tatsächlich garantieren wollten. "Wir hoffen, dass durch den Fall Asia Bibi die gemäßigten Kräfte in Pakistan gestärkt werden, was den Christen und anderen Minderheiten hilft", so missio-Präsident Klaus Krämer.

"Triumph der Menschenrechte"

Die Päpstliche Stiftung "Kirche in Not" nannte Bibis Freilassung einen "Triumph der Menschenrechte über religiöse Intoleranz". Die entsprechende Gerichtsentscheidung sei zudem "ein Sieg des Rechts über den Hass der Fanatiker", erklärte der "Kirche in Not"-Generalsekretär Philipp Ozores in München.

Amnesty International appellierte an die pakistanische Regierung, Asia Bibi nun die Ausreise zu erlauben und die Blasphemie-Gesetze abzuschaffen. "Asia Bibi hätte nie inhaftiert werden dürfen, denn die Blasphemie-Gesetze widersprechen den internationalen Verpflichtungen Pakistans, Menschenrechte wie Meinungs-, Gedanken-, Gewissens- und Religionsfreiheit zu schützen", sagte der Generalsekretär von Amnesty International in Deutschland, Markus N. Beeko.

Der Beauftragte der Bundesregierung für Religionsfreiheit, Markus Grübel, lobte die Entscheidung auf Twitter. Asia Bibi dürfe nun ausreisen - seiner Kenntnis nach wolle sie nach Kanada, wo bereits ihre Töchter Asyl erhalten hätten. Er hoffe, dass die Entscheidung des Gerichts auch in Pakistan akzeptiert werde, so der CDU-Politiker.

In Pakistan nicht mehr sicher

Der frühere Unions-Fraktionschef Volker Kauder, der in seiner Fraktion für Religionsfreiheit zuständig ist, bezeichnete das Urteil als "großartige Nachricht". Jetzt gehe es darum, dass Asia Bibi in einem sicheren Land aufgenommen werde.

Nach der Entscheidung von Dienstag steht einer Ausreise Bibis und ihrer Familie rechtlich nichts mehr im Weg. In Pakistan ist die fünffache Mutter nicht mehr sicher. Seit ihrer Haftentlassung am 7. November lebte sie unter hohen Sicherheitsvorkehrungen an einem geheimen Ort. Als mögliches Land für einen Asylantrag ist auch Deutschland im Gespräch.

Asia Bibi war 2009 als erste Katholikin in Pakistan wegen Blasphemie angeklagt und 2010 zum Tode verurteilt worden. 2014 bestätigte ein Gericht in Lahore das Todesurteil; 2015 ordnete ein weiteres Gericht die vorläufige Aussetzung der Hinrichtung an. Es folgte ein erneutes Berufungsverfahren. (kna)