Warum Menschen flüchten

Armut und Alternativlosigkeit

Warum es bei der Problematik der Asylsuchenden aus dem Westbalkan dringend einer politischen Lösung bedarf und was Kirche und Caritas tun, um Flüchtlingen ihr Ankommen in Deutschland zu erleichtern, erklärt Klaus Weißbach, Vorstandsmitglied des Diözesan-Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising.

Klaus Weißbach ist Vorstandsmitglied des Diözesan-Caritasverbandes der Erzdiözese München und Freising. (Foto: MK) © MK

Die vielen neu ankommenden Flüchtlinge fordern in diesen Tagen nicht nur den Staat und die Kommunen, sondern auch uns als Caritas heraus. Und wenn wir die Berichte von den überfüllten Zügen in Mazedonien sehen, ist klar, dass noch viel mehr Flüchtlinge kommen werden. Die Rede vom „massenhaften Asylmissbrauch“ und dem „Ende der Willkommenskultur“ hilft da nicht weiter. Wir brauchen natürlich eine politische Lösung für die Asylsuchenden aus dem Balkan, die nicht darin bestehen kann, die Menschen einfach wieder zurückzuschicken. In den Herkunftsländern herrscht bitterste Armut. Die Menschen kommen nach Deutschland, weil sie keine andere Möglichkeit haben, in Deutschland zu arbeiten. Wir brauchen legale und sinnvoll geregelte Wege, um die Arbeitsaufnahme bei uns zu erleichtern. Um die steigende Zahl von Flüchtlingen menschenwürdig unterbringen zu können, brauchen wir eine bessere und effizientere Zusammenarbeit von staatlichen und zivilgesellschaftlichen Stellen.

Kirche und Caritas tun bereits sehr viel: Wir stellen leerstehende Gebäude zur Verfügung, wir richten neue Angebote wie etwa die Clearingstelle ein, wir bauen unsere Asylberatung kontinuierlich aus und Tausende von Ehrenamtlichen in Pfarreien und Asylkreisen helfen den Asylsuchenden, ein Ankommen in Deutschland zu erleichtern. Dabei kommen unsere haupt- und ehrenamtlichen Mitarbeitenden oft an ihre Belastungsgrenzen. Wenn noch mehr Flüchtlinge kommen, brauchen wir sicher neue Notfallsysteme, Runde Tische mit allen an der Unterbringung Beteiligten und vereinfachte behördliche Vorgänge. Wir brauchen aber ganz sicher auch weiterhin das schon bisher wirklich große Engagement unserer Caritas-Mitarbeitenden und der vielen ehrenamtlich tätigen Frauen und Männer in Pfarreien und Gemeinden. Denn auch die Flüchtlinge, die in den nächsten Wochen ankommen, haben ein Willkommen verdient.