Kann man das glauben?

Antworten auf fünf konkrete Glaubenszweifel

Vergebung der Sünden, Leid auf der Welt, Jesus als Brot und Wein – bei manchen Glaubensinhalten oder weltlichen Fragen kommen Zweifel am Glauben auf. Ein Erklärungsversuch.

Manche Themen lassen einen am Glauben zweifeln. © gdarts - stock.adobe.com

Vergebung der Sünden in der Beichte – wie soll das möglich sein?

Die Sünden werden nicht „in der Beichte“ vom Priester, sondern „im Himmel“ von Gott vergeben. Der Priester ist nur der Vermittler, welcher der Person, die beichtet, zusagt, dass Gott ihr die Schuld vergeben hat. Die Beichte ist kein juristisches Geschehen, bei dem der Priester nach Art eines Strafrichters den Beichtenden quasi freisprechen würde. Die Beichte ist eher ein therapeutischer Prozess, bei dem der Beichtende von der Last seiner Schuldgefühle befreit werden soll. Wer es schon einmal ausprobiert hat, wird feststellen, dass es sich anders anfühlt, wenn mir ein anderer zusagt: „Deine Sünden sind dir vergeben!“, als wenn ich mir das nur für mich selbst einzubilden versuche. Gott darf Sünden vergeben, weil er von jeder Sünde mitbetroffen ist, da er jeden Menschen liebt wie sich selbst. Gleichwohl sollte man eine Untat natürlich nicht nur beichten, sondern auch den Menschen um Verzeihung bitten, gegen den sich diese Untat gerichtet hat, sofern das ohne größeren Schaden möglich ist.

Realpräsenz in der Eucharistie – sind Brot und Wein nicht einfach nur bloße Symbole für Jesus?

Realpräsenz bedeutet nicht, dass das Brot zum menschlichen Gewebe des Körpers Jesu wird und der Wein zu der Flüssigkeit, die durch seine Adern geflossen ist. In der Eucharistiefeier ändert sich nicht die chemische Zusammensetzung von Brot und Wein, sondern ihre wesentliche Bedeutung. Sie sind nicht mehr Nahrungsmittel, sondern sie verbinden uns so mit Jesus Christus, wie sich Menschen vor 2.000 Jahren mit ihm verbinden konnten, die bei ihm waren, auch unter dem Kreuz. Das Wesentliche der Dinge ist nicht ihre Materie, sondern ihre Bedeutung. Und die kann sich wandeln, je nach der Beziehung, in welche die Dinge gestellt werden. Ein Ehering zum Beispiel, der im Trauungsgottesdienst gesegnet und dann jahrzehntelang getragen worden ist, ist kein Schmuckstück mehr, sondern die in Metall gegossene Liebe und Treue dessen, der ihn trägt. In ähnlicher Weise sind Brot und Wein weit mehr als „bloße Symbole“. Sie sind die verzehrbare Liebe Christi zu uns.

Wie kann man angesichts des Leids in der Welt an einen guten Gott glauben?

Auf diese Frage gibt es keine restlos befriedigende Antwort. Man kann das Problem nur etwas zu verkleinern suchen. Dazu muss man erst einmal fragen, wer das Leid in der Welt verursacht. Bei dem von Menschen verursachten Leid kann man Gott höchstens vorwerfen, dass er die Freiheit der Menschen, sich für das Böse zu entscheiden, nicht beschneidet. Aber offenbar ist die menschliche Freiheit für Gott ein so hohes Gut, dass nicht einmal die Myriaden von Opfern menschlicher Bosheit ihn dazu bringen, menschliche Freiheit zu beschneiden. Bei dem Leid, das durch Krankheiten oder Naturkatastrophen verursacht wird, für die der Mensch nicht verantwortlich ist, wird Folgendes überlegt: Vielleicht kann es eine Welt, die unseren Naturgesetzen gehorcht, nicht ohne Katastrophen oder krankhafte Veränderungen geben. Einer akut Leidenden nützen solche Gedanken nichts. Ihr nützt nur menschliche Solidarität. Und viele Menschen finden die Kraft zu dieser Solidarität durch ihren Glauben an Gott.

Skandale, Reichtum, Zersplitterung und Zerstrittenheit in zahlreiche christliche Konfessionen – warum entspricht die Kirche nicht dem Willen Jesu aus den Evangelien?

Zunächst einmal: „Der“ Wille Jesu ist nicht in jeder Hinsicht so eindeutig feststellbar, wie manche meinen, schon allein wegen der Unterschiedlichkeit der vier Evangelien. Aber klar ist: Die Vertuschung von sexualisierter Gewalt etwa ist das Gegenteil des Willens Jesu. Dies vorausgesetzt, müsste die Antwort auf die Frage lauten: weil die Kirchen als Institutionen Menschenwerk sind. Und auch Menschen, die hohe kirchliche Positionen innehaben, sind nicht davor gefeit, aus Angst, Machtgier oder Triebhaftigkeit falsche Entscheidungen zu treffen. Man sollte aber hoffen dürfen, dass die Institution als ganze immer wieder nach dem Willen Jesu fragt und sich bei Bedarf korrigiert, wenn sie davon abgewichen ist. Diese grundsätzliche Verpflichtung auf den Willen Jesu unterscheidet die Kirchen von anderen, nicht-christlichen Institutionen. Und die Geschichte der Kirchen zeigt, dass das auch immer wieder funktioniert hat, wenn man zum Beispiel an die diversen Reformbewegungen denkt.

Wie kann man an einen Gott glauben, der nicht sichtbar und beweisbar ist?

Wer sich in seinem Leben nur an das hält, was sichtbar und (naturwissenschaftlich) beweisbar ist, der kann keine Liebesbeziehung eingehen. Denn Liebe an sich kann man auch nicht sehen oder beweisen. Auch ein Meer aus roten Rosen und eine Flut an Liebesbriefen kann nur die geschickte Taktik eines Heiratsschwindlers sein. Auf manche Dinge muss man sich einlassen, obwohl es keine hundertprozentige Sicherheit und keine Zweifelsfreiheit gibt. Liebe gehört dazu, Gott auch. Außerdem: Ein Gott, der sicht- und beweisbar ist, muss nicht mehr geglaubt werden, der wird gewusst (so wie ich weiß und sehe, dass diese Zeitung vor mir liegt). Dann wäre Gott aber ein Ding dieser Welt, sinnlich erfahrbar und mit menschlichem Verstand restlos begreifbar. Dann aber wäre er irgendetwas, aber nicht mehr der Gott der Bibel, der unser Begreifen übersteigt. Will man sich dem wahren Gott annähern, muss man den Sprung in den Glauben wagen. (Pfarrer Martin Ringhof, Leiter des Pfarrverbands „Vier Brunnen“ in Ottobrunn)