Papstbesuch vor zehn Jahren

Als jeder die Kirchenzeitung las

Ein bayerischer Papst kommt nach Hause: Mit großer Freude ist der Besuch von Benedikt XVI. in seiner alten Heimat erwartet worden. Seit diesem Großereignis sind nun zehn Jahre vergangen. Worüber die Münchner Kirchenzeitung damals berichtete, erzählt der stellvertretende Chefredakteur Florian Ertl.

Florian Ertl ist stellvertretender Chefredakteur der Münchner Kirchenzeitung. © Sankt Michaelsbund

Gut, 1782, bei Pius VI. konnte ich noch nicht dabei sein. Aber bei den drei folgenden päpstlichen Besuchen in meiner Heimatstadt München war ich vor Ort: 1980 winkte ich als Grundschulkind Johannes Paul II. im Papamobil zu, 1987 stand ich als Jugendlicher beim Gottesdienst zur Seligsprechung Pater Rupert Mayers in der Südkurve des Olympiastadions und 2006 berichtete ich als Redakteur der Münchner Kirchenzeitung vom Heimatbesuch Benedikts XVI.

Es war eine arbeitsreiche, aber auch spannende Zeit damals, das „Wir-sind-Papst-Gefühl“ war überall in der Stadt spürbar. Wochenlang hatten wir im Voraus berichtet: Da ich für den Gottesdienst auf dem Messegelände zuständig war, durfte ich unzählige Vorabgeschichten recherchieren und schreiben: Woher kommt der Blumenschmuck für den Marienplatz und die Altarinsel in Riem? Wer fertigte die 50 hellgrünen Messegewänder und 50 Dalmatiken für die teilnehmenden Bischöfe und Priester und Diakone? Die Münchner Kirchenzeitung beantwortete und klärte auf. Kelch und Hostienschale aus der Schatzkammer des Doms wurden ebenso vorgestellt wie das wie ein Staatsgeheimnis gehütete päpstliche Münchner Mittagsmenü („Blattsalat-Variationen mit Chiemseesaibling und Renken-Filets, Pfannkuchensuppe, Kalbstafelspitz, Apfelstrudel“) oder exklusiv das päpstliche Zimmer im Kapuzinerkloster St. Magdalena in Altötting. Beim ersten Spatenstich zum Gottesdiensthügel in Riem war ich dabei, das Modell des Altarzeltes mit allen technischen Maßen war mir vertraut, dazu sämtliche T-Shirts und Halstücher von Ordinariat und Münchner Tourismusamt.

Endlich der Gottesdienst am 10. September, bei der in jeder der 250.000 Pilgertaschen unsere zwölfseitige Sonderausgabe „Der Papst in München“ steckte, die an diesem Tag wohl jeder las. Benedikt XVI. hatte für diese eigens einen Brief an die Leser der Münchner Kirchenzeitung verfasst. Wir druckten ihn auf der Rückseite ab. Die Kirche werde, schrieb der Papst, „allein von der Liebe Christi gehalten, auf die wir immer neu vertrauen dürfen“.