Open-Air-Programm

Akademie-Park wird Kulturbühne

Kabarettisten, Musiker und Literaten geben sich von Juni bis September ein Stelldichein in der Katholischen Akademie in Bayern. Im dazugehörigen Park gastiert die Kultur-Wanderbühne "Eulenspiegel Flying Circus".

Im Park der Katholischen Akademie wird von Juni bis September die Kultur-Wanderbühne "Eulenspiegel Flying Circus" zu Gast sein. © IMAGO / Lindenthaler

München – Die Katholische Akademie in Bayern öffnet ihre Tore für die Kultur-Wanderbühne "Eulenspiegel Flying Circus". Im großen Park der Einrichtung mitten im Münchner Stadtteil Schwabing werden von Juni bis September Kabarettisten und Musiker auftreten. Ein Interview mit Direktor Achim Budde (51) über Gastfreundschaft, die Beziehung von Kirche und Kultur sowie über nächtliche Ruhestörung.

Herr Budde, ab Anfang Juni verwandelt sich der Park der Akademie in eine Kulturbühne. Freuen Sie sich, dass wieder Leben ins Haus kommt, noch dazu ein so ungewöhnliches?

Achim Budde (lacht): Natürlich! Nachdem monatelang keine Gäste kommen konnten, ist das eine tolle Sache. Wir haben ja einen der schönsten Privatparks von München, aber coronabedingt durfte seit November niemand mehr zu uns kommen. Die Schließung des Gästebetriebs war für unser Team sehr frustrierend.

Aber der automatische Rasenmäher war weiter zugange?

Budde: Ja, unser Elektroschaf war brav im Einsatz. Auch Gärtnerei und Hausmeisterei, die Programmabteilung und die Katholische Erwachsenenbildung (KEB) haben weiter gearbeitet. Die Mitarbeitenden in der Hauswirtschaft und Küche gingen in Kurzarbeit, da der Hotelbetrieb ja weitgehend eingestellt war.

Wie kam es zur Kooperation mit Kulturmanager Till Hofmann?

Budde: Man hat uns um Hilfe gebeten - wir helfen. Die Pandemie hat die Kulturbranche ja noch stärker gebeutelt als uns in der Bildung. Die existenzielle Not ist bei vielen groß, seit sie nicht mehr auftreten können. Hofmann ist ein extrem rühriger und kreativer Typ. Schon im vergangenen Sommer hat er sich nach möglichen Plätzen für Open-Air-Veranstaltungen umgeschaut. Und Platz haben wir schließlich. So kommen wir ja auch Sant'Egidio zu Hilfe, die bei uns im Schlosspark mit Bedürftigen ihr Sommerfest feiern. Ein kurzes Video zu "Corona und Armut" ist daraus entstanden und auf der Homepage der Akademie zu sehen.

Hofmann hatte keine Berührungsängste mit der Kirche?

Budde: Als Akademie haben wir ja dezidiert den Auftrag, auch die Brücke aus der Kirche heraus zu schlagen. Und so werden wir auch wahrgenommen. Außerdem verstehen wir uns auch selbst als Kulturstätte: Bei uns sind Musiker, Schauspieler, Künstler und Schriftsteller zu Gast. Wir suchen gezielt die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur. Insofern war die Berührung ja schon da. Ängstlich wirkte Herr Hofmann gar nicht auf mich.

Welche Erfahrung hat die Akademie bisher mit großen Gartenfesten?

Budde: Unseren legendären Altschwabinger Sommerausklang besuchen immer über 2.000 Personen. Das nächstgrößte Event wäre wohl der Münchner Diözesanempfang mit fast 700 Gästen. Aber auch zum Beispiel die KEB-Mitgliederversammlung oder eine philosophische Soiree von Studierenden nutzen gezielt den schönen Park in sommerlicher Atmosphäre.

Wie viele Personen werden zu den Veranstaltungen kommen dürfen?

Budde: Bestuhlen könnten wir für 300 bis 400. Wie viele dann wirklich unter Auflagen dabei sein können, bleibt abzuwarten. Wir lassen uns überraschen. Die Bühne soll jedenfalls im Nord-West-Eck des Gartens  aufgestellt werden zur Feilitzstraße hin. Vorne hat man das künstlerische Geschehen im Blick und bei einem Blick nach links die Fassade von Schloss Suresnes.

Das Barockschlösschen hat ja seine ganz eigene Geschichte, was Künstler betrifft ...

Budde: So ist es. In der Zeit der Boheme hatte der Maler Paul Klee darin für drei Jahre sein Atelier. Dieser Garten ist also doppelt charmant. Er hat eine tolle Atmosphäre an lauen Sommerabenden und zugleich ist er mit der Schwabinger Kulturszene verbunden.

Bunt ist auch das angebotene Programm. Es reicht von den Wellbrüdern über Wolfgang Niedecken, Hubert Achleitner (von Goisern) bis zur Spider Murphy Gang und zu Sasha. Haben Sie für sich schon etwas entdeckt?

Budde: In den zwei Jahren, in denen ich jetzt in München bin, konnte ich die Kulturszene noch nicht richtig kennenlernen. Erst hatte ich keine Zeit, dann kam Corona. Auf jeden Fall möchte ich beim Eröffnungsabend am 4. Juni dabei sein, wenn das Ensemble der Lach- und Schießgesellschaft auftritt. Dann habe ich erstmals die Möglichkeit, die unmittelbare Nachbarschaft und den Kooperationspartner selber kennenzulernen.

Wie sind die Reaktionen auf die Open-Air-Veranstaltungen?

Budde: Wir haben die unmittelbaren Nachbarn angeschrieben. Die sind eingeladen, auch mal umsonst reinzukommen samt Freigetränk. Mit Hofmann ist zudem besprochen, dass die Veranstaltungen in der Regel um 19.30 Uhr beginnen und das Programm gegen 21.15 Uhr spätestens zu Ende ist. Um 22 Uhr wird dann das Gelände wieder leer sein. Wir halten die Nachtruhe ein. Aber abgesehen von Ausnahmen kann ich mir vorstellen, dass die Mehrheit der Anwohner es genießt. Ein Jahr lang war alles tot, jetzt kriegt man wieder was vom Leben mit. Übrigens, wer in der Akademie übernachtet, kann sogar kostenlos bei den Darbietungen dabei sein.

Erhoffen Sie sich auch neue Leute anzusprechen für Ihr Haus?

Budde: Klar! Viele ahnen ja gar nicht, was sich hinter unseren Mauern verbirgt. Wir wollen den Gästen des 'Flying Circus' schon auch deutlich machen, wer wir sind und was wir tun. Wir müssen uns insgesamt mehr öffnen. An den Abenden werden wir natürlich auch für unser Programm werben und unsere Hauszeitschrift 'zur Debatte' auslegen. Viele wissen auch nicht, dass man bei uns wohnen kann. Wir öffnen ja gleichzeitig auch unser Gästehaus wieder. Eine Nacht im Schloss ist ab Juni wieder für 119 Euro möglich. Und natürlich freue ich mich auf ein Publikum, mit dem es zuvor vermutlich nur eine kleine Schnittmenge gab. (Das Interview führte Barbar Just von der Katholischen-Nachrichten-Agentur)