Debatte über Weihnachtsgottesdienste

Ärzte fordern Gottesdienst-Verbot

Die Debatte um Gottesdienste an Weihnachten reißt nicht ab. Die Kirchen sind sich einig: Gottesdienste sollen stattfinden.

Für die Gottesdienste gelten Hygieneregelungen: Abstand halten, Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes und kein Gemeindegesang.

Berlin – Mediziner appellierten an Bund und Länder, Gottesdienste an Weihnachten zu verbieten. "In diesem Jahr sollten Präsenzgottesdienste bundesweit untersagt werden", sagte die Vorsitzende des Bundesverbands der Ärztinnen und Ärzte im Öffentlichen Gesundheitsdienst (BVÖGD), Ute Teichert, den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Mittwoch). "Weil wir wissen, wie leicht sich das Virus gerade bei Gottesdiensten übertragen kann, dürfen wir zu Weihnachten angesichts der hohen Infektionszahlen kein zusätzliches Risiko eingehen." Es müsse eine einheitliche Vorgabe geben.

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Matthias Kopp, verwies im Deutschlandfunk auf die Hygienekonzepte der Kirchen. Er appellierte an die Gläubigen abzuwägen, ob für sie ein Kirchgang sicher sei. Zudem verwies er auf die ökumenische Hausliturgie mit Weihnachtsevangelium, Gebeten und Liedern, der als Flyer auch digital bereit stehe.

Verteidigung eines Grundrechts

Der katholische Bischof Ulrich Neymeyr verteidigte das Grundrecht auf freie Religionsausübung auch in Pandemie-Zeiten. "Kirchen zu schließen, kommt gar nicht infrage", sagte der Bischof von Erfurt bei "mdr aktuell". Vielen Menschen sei es ein Anliegen, in die Kirche oder einen Gottesdienst zu gehen. Würde dies wegfallen, würde den Kirchen vorgeworfen, die Menschen in der Pandemie alleine zu lassen.

Der Aachener Bischof Helmut Dieser bezeichnete die Schutzkonzepte als sehr sicher. "Ich sehe da nicht, dass wir irgendetwas uns herausnehmen, was nicht verantwortbar wäre", sagte er dem Hörfunk-Sender WDR 5.

Auch der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, sprach sich gegen ein Gottesdienst-Verbot aus. "Die katholischen Gläubigen haben sich nie gegen vernünftige Lösungen gewandt, aber das heißt auch, dass man Gottesdienste nicht pauschal verbieten sollte", sagte er der "Augsburger Allgemeinen". Zudem könne man Gottesdienste nicht einfach auf eine Online-Variante umstellen, denn sie seien Gemeinschaftsfeiern.

Öffentliche Gottesdienste sind mit Sicherheitsbestimmungen während des Lockdowns möglich. Allerdings nicht zwischen 21 - 5 Uhr. Es gibt weiterhin Möglichkeiten, auch von zu Hause aus Gottesdienste mitzufeiern. Hier finden Sie eine Übersicht.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verwies ebenfalls auf strenge Hygiene-Konzepte und Besucherbegrenzungen. "Es wird keine überfüllten Gottesdienste geben", sagte er der "Passauer Neuen Presse". Jedoch gebe es Menschen, "für die der Gottesdienst in der Kirche ein Ort des Trostes ist, den sie gerade jetzt brauchen."

Der religionspolitische Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion Benjamin Strasser rief Gottesdienstbesucher ebenfalls zur Vorsicht auf. Es sei gut, dass Weihnachten "als Fest der Liebe und der Hoffnung mit Gottesdiensten" gefeiert werden könne, sagte er der "Heilbronner Stimme". Online-Gottesdienste könnten nur ein ergänzendes Angebot sein.

Strenge Maßnahmen

Am Montag hatte das Bundesinnenministerium erklärt, dass über Gottesdienst an Weihnachten vor Ort zu entscheiden sei. Den Absprachen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und den Ministerpräsidenten der Länder gemäß müssen Gottesdienstbesucher Abstand halten, Maske tragen und sich anmelden. Zudem ist Gemeindegesang untersagt. (kna)

Dieser Artikel gehört zum Schwerpunkt Advent & Weihnachten